Welche Zukunft hat die
Verbraucherzentrale Berlin e.V.?
Aufgrund der Tatsache, daß zum Zeitpunkt dieses Jubiläums noch nicht feststeht, ob die Verbraucherzentrale Berlin angesichts der Androhung massiver Zuwendungskürzungen überhaupt eine Zukunft hat, oder von der politischen Führung Berlins fallen gelassen wird, sollte das Motto zunächst lauten: "Hat die Verbraucherzentrale Berlin noch eine Zukunft?". Optimismus, Entschlossenheit, die erfolgreiche Arbeit der letzten 50 Jahre fortzusetzen, und Hoffnung auf die Einsicht der Landesregierung, daß die Existenz und Arbeit der Verbraucherzentrale vielleicht noch nie notwendiger waren als gegenwärtig, haben sich schließlich bei der Wahl des Mottos, unter dem das 50jährige Jubiläum gefeiert wird, durchgesetzt. Gerade in einer Zeit, in der die finanzielle
Situation es immer mehr Berliner Bürgern nicht erlaubt, sich z.B. anwaltlich
beraten zu lassen, steigt die Bedeutung einer Beratungsorganisation, die in der
Lage ist, bezahlbare individuelle Unterstützung anzubieten, darüber hinaus
aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe zum Verbraucher veränderten Beratungsbedarf
wahrzunehmen und sich in den einzelnen Beratungsbereichen darauf einzustellen.
Auch die Bedeutung einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit und die verstärkte
Anwendung des eigenen Unterlassungsanspruches bei Verstößen gegen den
unlauteren Wettbewerb, gegen unzulässige Allgemeine Geschäftsbedingungen und
andere Verbraucherschutzgesetze, hat keinesfalls abgenommen – ganz im
Gegenteil. Ein neues Verbraucherschutzministerium, ein
tatkräftiger Bundesverband, ein erweitertes Internetangebot können die
individuelle Verbraucherberatung vor Ort natürlich nicht ersetzen. Auch würde
eine Dezentralisierung der Verbraucherberatung in Berlin wohl kaum zu den
gewünschten Einsparungen führen: Qualifizierte und wirkungsvolle
Verbraucherarbeit gibt es nicht zum Nulltarif! Eine Dezentralisierung würde
nicht nur dem Verbraucher die Orientierung erschweren und ihm zusätzliche Wege
und Kosten aufbürden, sondern auch den Machtfaktor "Verbraucher"
deutlich schwächen. Wenn Bund und Länder es Ernst meinen mit einer
schlagkräftigen Verbraucherpolitik, dann müssen sie sich diese etwas kosten
lassen. Verbraucherarbeit muß anbieterunabhängig
stattfinden. Weiteren Gebührenerhöhungen sind enge Grenzen gesetzt, sie wären
sozial nicht vertretbar. Diejenigen, die auf die Beratung und Unterstützung
besonders angewiesen sind, könnten sie sich im Falle weiterer
Gebührenerhöhungen nicht mehr leisten. Die Beratungsgebühren sind sinnvoll
gestaffelt: In den Bereichen "Anlageberatung" und "Baufinanzierung"
fallen sie wesentlich höher aus als in den übrigen Beratungsbereichen. Die
Schuldnerberatung muß selbstverständlich auch zukünftig gebührenfrei angeboten
werden. Wie groß die Nachfrage nach individueller Beratung
nach wie vor ist, zeigt u.a. ein Problem, mit dem sich die Verbraucherzentrale
seit Jahrzehnten herumschlägt: Wie können die vielen täglichen Telefonanfragen
bzw. Versuche, die Verbraucherzentrale telefonisch zu erreichen, so
aufgefangen werden, daß die Anrufer zufriedengestellt werden und nicht das
Gefühl bekommen, die Verbraucherzentrale sei telefonisch nicht erreichbar.
Vor einigen Jahren ergaben Messungen, daß täglich mehr als 2.000 (zweitausend!)
Berliner den telefonischen Kontakt mit der Verbraucherzentrale suchen. Früher ärgerten sich viele Anrufer über ein
ständiges Besetztzeichen, heute - aufgrund der veränderten Technik, die kein
Besetztzeichen mehr kennt - über ein endloses Freizeichen. Das führte früher
häufig zu der vorwurfsvollen Vermutung, die Mitarbeiter der Verbraucherzentrale
hätten wohl den ganzen Tag den Hörer daneben gelegt, gegenwärtig dagegen nicht
selten zu dem Verdacht, in der Verbraucherzentrale gehe wohl niemand ans Telefon.
Dieses Problem ist leider, trotz mehrfachen Wechsels der Telefonanlage, immer
noch nicht ausreichend gelöst. Es macht deutlich, daß die technische und vor
allem auch die personelle Ausstattung schon jetzt nicht ausreicht, um der
großen Nachfrage gerecht zu werden. Eine Auflösung oder drastische Reduktion der Verbraucherzentrale Berlin hätte weitreichende Folgen für die Verbraucher und sollte deshalb im Interesse der Berliner Bürger - und insoweit auch im Interesse der Landesregierung - vermieden werden. Eine Zerschlagung der Verbraucherzentrale ausgerechnet in der Hauptstadt Berlin wäre auch ein folgenschweres negatives Signal für die Verbraucherarbeit schlechthin.
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