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Broker stoppt Aktienkäufe – wenn der Handel plötzlich ausgesetzt wird

Stand:

Am 28. Januar 2021 hatte der Neobroker Trade Republic die Möglichkeit, bestimmten Aktien zu kaufen, kurzfristig eingestellt, offiziell "wegen der damit verbundenen Risiken". Die betroffenen Aktien waren jedoch nicht generell vom Börsenhandel ausgesetzt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wer mit Aktien handelt, möchte sie jederzeit kaufen und verkaufen können, zumindest solange die Börsen den Handel nicht offiziell aussetzen. Die Möglichkeit, das zuverlässig zu können, ist aus unserer Sicht unerlässlich bei dieser Geldanlageform.
  • Einige so genannte Neobroker haben im Januar 2021 einen Run auf einzelne Aktien erlebt – und zu einem Höhepunkt hat Trade Republic die Kauf-Möglichkeit einfach eingestellt, obwohl die betroffenen Aktien an den Börsen weiter handelbar waren.
  • Verbraucher sind empört – und durch die Maßnahme kann durchaus viel Geld verloren gegangen sein. Auch die Kurse einiger vom Kaufverbot betroffener Aktien sind abgestürzt.
Geld Börse Aktien
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Am 28. Januar 2021 hat der so genannte Neobroker (darunter versteht man Anbieter, die nahezu kostenloses Trading per Smartphone anbieten) seine Kunden darüber informiert, dass laut Presseberichten die Aktien GameStop Corp., AMC Entertainment Inc., BlackBerry Limited, Nokia Corp., Express Inc. sowie Bed Bath & Beyond Inc. anscheinend aktuell Gegenstand von heftigen, koordinierten Kursspekulationen seien. Wegen der damit verbundenen Risiken habe Trade Republic bis auf weiteres keine neuen Aufträge zum Kauf dieser Aktien angenommen. Das Unternehmen verhängte ein Kaufverbot und verpasste damit Kunden einen herben Dämpfer, die auf wilde Kurssprünge der Titel noch reagieren wollten. Am Morgen des darauffolgenden Tages war diese Einschränkung dann wieder aufgehoben.

Trade Republic wirbt mit Slogans wie "provisionsfrei in Aktien, ETFs und Derivate investieren" und verspricht "überwachte Börsenkurse". Außerdem könne die "Beschäftigung mit der Geldanlage und der Wirtschaft durchaus auch Spaß machen". Mit dem Kaufverbot löste der Anbieter aber einen Sturm der Entrüstung aus. Einige Kurse sind schließlich nach dem Kaufverbot deutlich abgestürzt.

Die Verbraucherzentralen meinen: Ein Leistungsversprechen der Broker nach Gutsherrenart ist inakzeptabel. Dass der Handel von Aktien an den Börsen auch ausgesetzt werden kann, müssen Anleger als Risiko einer jeder Aktienanlage hinnehmen. Auch kann der Broker kaum haftbar gemacht werden, wenn die Handelssysteme ausnahmsweise einem unvorhersehbaren Ansturm mal nicht gewachsen sind. Aber eine einseitige Kaufbeschränkung für einzelne Aktien, die an den Börsen weiterhin gehandelt werden, ist für die Betroffenen zu Recht inakzeptabel. Gerade am Aktienmarkt ist es entscheidend, dass Anleger zuverlässig ihre Titel handeln können.

Das Argument, man wolle Kunden vor Risiken in dem heiß gelaufenen Andrang auf einzelne Titel vor Verlusten schützen, können wir nicht nachvollziehen. Trade Republic richtet sich mit seinem Angebot auch und gerade an Anleger, die aktiv unter Inkaufnahme hoher Risiken Aktien und Derivate handeln wollen. Der Handel mit Risiko ist Teil des Geschäftsmodells.

Was Betroffene nun tun können

Was also tun, wenn Ihnen durch einen Kaufstopp ein Schaden entstanden ist? Die Rechtslage dürfte für die Betroffenen nicht ganz einfach sein. Allerdings liegt hier keine (ggf. hinzunehmende) Systemüberlastung vor, sondern ein ganz gezielter Ausschluss, Kaufaufträge für bestimmte Titel anzunehmen.

  • Rechtlich können Betroffene Schadenersatzansprüche prüfen. Erster Schritt: Nachweis und Dokumentation eines Schadens, etwa anhand der Aktienkurse und konkret zurückgewiesener Kaufaufträge. Wann wollten Sie kaufen, zu welchen Kursen? Wie hatten sich die Aktien nach dem Handelsstopp dann entwickelt? Wie errechnet sich Ihr Schaden?
  • Fordern Sie den Anbieter auf, die Rechtsgrundlage für die Handelseinschränkung zu nennen. Es wäre zu prüfen, ob eine vertragliche Pflichtverletzung geltend gemacht werden kann.
  • Holen Sie sich im Zweifel juristische Unterstützung. Sowohl die Bezifferung eines Schadens als auch der Nachweis der Verantwortung dafür sowie die Wirksamkeit von Formulierungen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen sind komplizierte Angelegenheiten.
  • Läuft es auf einen teuren juristischen Streit hinaus, behalten Sie die Kosten dafür im Blick. Haben Sie eine Rechtsschutzversicherung, fragen Sie rechtzeitig nach einer Deckungszusage.
  • Betroffene sollten sich unbedingt auch bei der BaFin über ausgesetzte Handelsmöglichkeiten beschweren. Kontaktmöglichkeiten der Aufsichtsanstalt des Bundes finden Sie hier.
  • Beschwerden können Sie an die Verbraucherzentralen z.B. hier einschicken.