Fett- und eiweißreiche Diäten

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Ähnlich wie bei Diäten nach glykämischem Index spielt auch hier das Insulin eine wichtige Rolle. Wirkt das Insulin nicht mehr richtig (Insulinresistenz), ist der Blutzuckerspiegel erhöht. Dieser wiederum führt dazu, dass vermehrt Fett eingelagert und weniger Fett abgebaut wird. Um das zu verhindern, soll zur Gewichtsabnahme entweder möglichst auf Kohlenhydrate verzichtet werden (fett- und eiweißreiche Mahlzeiten), oder es sollen bestimmte Mahlzeiten am Tag (meist das Abendessen) reich an Eiweiß und frei von Kohlenhydraten sein.

Fettanteil und -qualität in diesen Diätformen sind sehr verschieden. Wesentliche Lebensmittel sind in unterschiedlichen Anteilen Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Fette/Öle/Nüsse und Gemüse. Meist müssen auch definierte Abstände zwischen den Mahlzeiten eingehalten werden.

Die Ernährungsregeln der verschiedenen Low-Carb Diäten sind sehr uneinheitlich. Manche verzichten komplett auf Kohlenhydrate (ketogene Diäten), während sie bei anderen 20-30 Energieprozent liefern sollen. Auch wird empfohlen, zu bestimmten Tageszeiten unterschiedliche Nährstoffe aufzunehmen. Beispiele für derartige Diäten sind die "Atkins-Diät" und die "Dukan-Diät". Im weiteren Sinne zählt auch die "Schlank im Schlaf-Diät" dazu, bei der jedoch zusätzliche Produkte zum Einsatz kommen (können) - beispielsweise das populäre Eiweißbrot.

Unsere Bewertung

Gegen eine kohlenhydratarme Diät, die mindestens 20 Gramm Kohlenhydrate liefert, ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Sie entspricht aber nicht unbedingt unseren Ernährungsgewohnheiten und ist deswegen oft schwerer einzuhalten.

Der Gewichtsverlust durch LowCarb-Diäten liegt meist zwischen 5 und 10 Prozent des Ausgangsgewichts binnen 12 Monaten, entspricht also dem konventioneller fettreduzierter Diäten. Bei Diäten mit wenig Kohlenhydraten kommt es ähnlich wie bei Formula-Diäten zu Beginn oft zu einem (motivierenden) schnellen Gewichtsverlust; dabei gehen allerdings zunächst vor allem 2-–3 Kilogramm Wasser verloren.

Ketogene Diäten (ohne Kohlenhydrate) halten Mediziner und Forscher dagegen für sehr bedenklich. Bei einer Diät mit wenig Kohlenhydraten kann ein daraus resultierender höherer Eiweiß-Konsum zu einer stärkeren Belastung der Nieren und einem negativen Effekt auf die Calcium-Bilanz, die Knochengesundheit und den Säure-Basen-Haushalt führen. Weil vermehrt Harnsäure gebildet wird, kann es bei empfindlichen Personen zu Nierensteinen oder Gichtanfällen kommen. Proteinreiche Diäten sollten bei Personen mit Nierenschädigung gemieden werden.

Eine schwedische Studie aus 2012 mit über 43.000 Frauen hat bestätigt: Je mehr Eiweiß und je weniger Kohlenhydrate man aufnimmt, umso höher wird das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt. Als Gründe hierfür werden vor allem ein übermäßiger Fleischkonsum und der Verzicht auf wichtige Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Ballaststoffe genannt. Ein langfristiger Erfolg mit diesen Diäten ist fraglich: Das Essverhalten wird nicht dauerhaft verändert; ganz im Gegenteil verfestigen fettreiche Diäten bestehende falsche Ernährungsgewohnheiten.