Gesundheitliche Risiken von Tattoos und Permanent Make-up

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Sie sind dauerhaft unter der Haut - und oft bedenklich. Was Tattoo-Farben gefährlich macht und worauf man achten sollte, wenn man sich tätowieren lässt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Tattoos lassen sich oft nicht mehr spurlos entfernen. Die Kosten für eine Entfernung oder für Folgeschäden übernehmen Krankenkassen in der Regel nicht.
  • Mangelnde Hygiene im Studio kann zu schweren Infektionen wie HIV oder Hepatitis führen.
  • Die Farbpigmente bleiben nicht nur unter der Haut, sondern finden sich an anderen Stellen im Körper wieder.
  • Nur wenige Schadstoffe in Tattoo-Farben sind derzeit verboten, zudem sind Inhaltsstoffe oft falsch gekennzeichnet.
  • Für Permanent Make-up werden ebenfalls Tattoo-Farben verwendet.
Tattoo
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Der Gang in ein Tattoo-Studio sollte nicht einer vorübergehenden Laune entspringen, sondern vorher gut überlegt sein. Denn ein Tattoo ziert den eigenen Körper unter Umständen lebenslang und ist mit gesundheitlichen Risiken verbunden.

Welche Wirkungen die in die Haut eingebrachten Farbpigmente auf den Organismus haben, ist noch weitgehend unerforscht. Sicher ist, dass sich die Pigmente oder deren Abbauprodukte an anderen Stellen im Körper wieder finden können. Gesundheitliche Bewertungen liegen nur für einen Bruchteil aller möglichen Farbpigmente vor. Daher bietet auch die Verbotsliste der deutschen Tätowiermittelverordnung nur wenig Sicherheit. Ab Januar 2022 gelten in der ganzen EU gesetzliche Anforderungen an Tattoo-Farben. Beispielweise dürfen dann keine Stoffe  mehr enthalten sein, die als krebserzeugend oder erbgutschädigend eingestuft sind. Noch sicherer wäre es, nur Farb- und Hilfsstoffe zuzulassen, die nachgewiesenermaßen unschädlich sind, also eine Positivliste erlaubter Bestandteile zu erstellen.

Spätere Entfernung

Wer etwa damit liebäugelt, die Körperkunst irgendwann wieder entfernen zu lassen, sollte wissen, dass trotz Lasertechnik und anderer moderner Verfahren Narben zurückbleiben können und die Farben unter der Haut nicht immer völlig verschwinden. Zudem kann eine spätere Entfernung zusätzliche Gesundheitsschäden verursachen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt: "Auch der Abschied ist nicht ohne Risiko."

Haben Sie vor dem Gang zum Tattoo-Studio daher folgende Stichpunkte mit im Blick:

  • Keine Haftung bei Komplikationen:
    Professionelle Tätowierer sollten Kunden vor dem ersten Stich ausführlich mündlich und schriftlich über mögliche Risiken, Komplikationen, Allergien und die anschließende Tattoo-Wundpflege informieren. Besonders bei bestehenden Erkrankungen kann eine ärztliche Beratung über eine Tätowierung und die Wundversorgung im Vorfeld sinnvoll sein. Denn künftige Tattoo-Träger müssen im Gegenzug die Folgekosten für auftretende Komplikationen oder für Tattoo-Entfernungen ganz oder größtenteils selbst zahlen. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel hierfür keine Kosten.
     
  • Keine Tattoos für Risikogruppen:
    Für Schwangere oder Patienten, die Antibiotika oder immunschwächende Medikamente einnehmen, ist die Tattoo-Prozedur aufgrund des Infektionsrisikos ungeeignet. Bei Herzerkrankungen, Diabetes oder Blutgerinnungsstörungen sollten Sie sich ebenfalls nicht tätowieren lassen. Dies gilt auch, wenn Sie zu Allergien, Ekzemen oder offenen Wunden neigen. Vorsicht gilt z.B. bei einer Nickel-Allergie, da Tattoo-Farben Nickelverunreinigungen enthalten können.
     
  • Sterile Hygiene im Studio:
    "Tätowierer" ist kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, d.h. im Prinzip kann jeder ein Tattoostudio eröffnen. Daher sollte der Tätowierer zumindest eine Hygieneschulung absolviert haben. Bei unsachgemäßen Nadelstichen ist die Entzündungs- und Verletzungsgefahr groß.
    Mangelnde Hygiene kann HIV-, Hepatitis- oder andere Infektionen auslösen. Vor einer Behandlung sollten Sie fragen, ob im Studio ein separater Raum mit abwischbaren Oberflächen und Liegen mit frischen Einwegtüchern vorhanden ist und ob der Tätowierer sterile Nadeln und Instrumente verwendet.
  • Der Tätowierer sollte auch nur zu sterilen Einmal-Farbtuben greifen. Das Wasser zum Verdünnen der Farben sollte ebenfalls aus sterilen Einwegpackungen stammen. Mittlerweile gibt es eine Norm, die Anforderungen an die Hygiene vor und während des Tätowierens sowie für die Nachsorge festlegt. Ein gutes Studio sollte nach diesen Vorgaben arbeiten. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat hierzu Checklisten zur Studioauswahl, zur Vorbereitung und zur Tattoopflege veröffentlicht.
     
  • Stiche und Farben haben es in sich:
    Durch die Stiche mit der Tätowiernadel in tieferliegende Hautschichten können Infektionen, Allergien und bleibende Hautschädigungen auftreten. Einige Tattoo-Farben weisen allergieauslösende Stoffe wie Nickel oder problematische Azofarbstoffe auf. Besonders häufig wurden allergische Reaktionen auf rote Tattoos beobachtet.  Schwarze Tinten, die vor allem den Ruß-Farbstoff "Carbon Black" enthalten, sind häufig mit krebserregenden aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet. Auch Sonnenlicht auf dem Tattoo kann zu gesundheitlichen Beschwerden führen.
     
  •  Tattoo-Farben unter die Lupe nehmen:
    Lassen Sie sich bestätigen, dass die Tattoo-Farbe der deutschen Tätowiermittel-Verordnung und dem Anhang XVII der REACH-Verordnung entspricht, der im Dezember 2020 aktualisiert wurde! Die Farben sollten mindestens Name und Anschrift des Herstellers, Angabe der einzelnen Inhaltsstoffe, die Chargennummer, ein Mindesthaltbarkeitsdatum und Angaben zur Haltbarkeit nach dem Öffnen tragen. Diese Informationen sollten Sie vom Studio bekommen, um eine Diagnose bei eventuell auftretenden Allergien zu erleichtern. Leider sind die Inhaltsstoffe vieler Tattoo-Farben falsch deklariert.

Weitere Informationen finden Sie unter www.safer-tattoo.de