Empfehlungen für eine gesunde und nachhaltige Ernährung

Stand:

Der Begriff Klimawandel ist in aller Munde. Ein Grund für die Änderung des Klimas sind steigende Konzentrationen klimaschädlicher Treibhausgase in der Atmosphäre. Eine sichere Handlungsoption besteht demnach darin, Treibhausgasemissionen zu senken. Doch nicht nur das Klima ist durch den menschlichen Lebensstil stark belastet. Das Klima ist nur ein wichtiger Umweltaspekt von vielen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Weltbevölkerung steigt. Prognosen besagen, dass bis zum Jahr 2050 10 Milliarden Menschen auf der Erde leben werden.
  • Planetare Belastungsgrenzen sind ökologische Grenzen der Erde – eine Überschreitung dieser Grenzen destabilisiert Ökosysteme und kann die Lebensgrundlage für Mensch und Tier gefährden.
  • Landwirtschaft und Nahrungsmittelverbrauch müssen in der Zukunft umweltfreundlicher werden.
  • Wissenschaftler und Organisationen entwickelten dementsprechend detaillierte Speisepläne für eine gesunde und gleichzeitig nachhaltige Ernährung.
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Planetare Belastungsgrenzen

Ein Expertenteam um den schwedischen Wissenschaftler Johan Rockström hat 2009 den ersten Bericht zu diesem Thema veröffentlicht. Darin wurden neun sogenannte planetare Belastungsgrenzen identifiziert, welche die Widerstandskraft der Erde beeinflussen. Durch das Eingreifen des Menschen in die Umwelt wurden bereits vier der neun Grenzen in einem kritischen Ausmaß erreicht oder sogar überschritten. Neben dem Klimawandel zählen auch der Landnutzungswandel, die Artenvielfalt und die Unterbrechung funktionierender Kreisläufe wie z. B. der Nährstoffe Phosphor und Stickstoff dazu. Ein Überschreiten dieser Belastungsgrenzen erhöht das Risiko für gravierende und unumkehrbare Umweltfolgen.

Planetary Health Diet

Wenn die Umwelt aus dem Gleichgewicht gerät, beeinträchtigt das zukünftig auch die Ernährungssicherheit. Für eine ausreichende Nahrungsmittelproduktion werden neben einem ausgeglichenen Klima viele weitere Ressourcen benötigt. Dazu gehören fruchtbare Böden, stabile Ökosysteme mit vielfältigen Arten, Süßwasser und intakte Nährstoffkreisläufe. Aus diesem Grund hat die EAT-Lancet-Kommission 2019 einen Speiseplan entwickelt, der den Planeten in der Zukunft nicht belastet und dennoch gesunde Lebensmittel für die wachsende Weltbevölkerung bereitstellt.

Der Speiseplan enthält genaue Ernährungsempfehlungen ausgehend von einer täglichen Energiezufuhr von 2500 kcal. Es wird empfohlen, den Verzehr von Fleisch und Zucker im Vergleich zum Ist-Zustand ungefähr zu halbieren, denn Produkte wie Fleisch, Wurst, Milchprodukte und Eier stammen häufig aus intensiver Landwirtschaft, durch die Stickstoff mittles Düngung und Pflanzenschutzmitteln in die Umwelt eingetragen wird und gleichermaßen viele Treibhausgase ausgestoßen werden. Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte hingegen sollen auf dem Teller bestenfalls verdoppelt werden. Pflanzliche Nahrungsmittel haben in der Regel eine wesentlich niedrigere Wasser-, Flächen- und Treibhausgasbilanz.

Ernährungsempfehlungen im Vergleich

In einem Fachartikel der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wird dieser Speiseplan mit den Empfehlungen für eine vollwertige Ernährung in Deutschland verglichen. Im Gegensatz zur nachhaltigen Planetary Health Diet wurde die vollwertige Ernährung mit dem primären Ziel entwickelt, den Nährstoffbedarf deutscher Verbraucherinnen und Verbraucher zu decken, die Gesundheit zu fördern und chronischen Krankheiten vorzubeugen. Beide Ernährungsempfehlungen sind nachhaltiger und gesünder als der Ist-Zustand in Deutschland.

Zu beachten:

Bei der Planetary Health Diet wird eine tägliche Zufuhr von 2500 kcal pro Tag zu Grunde gelegt. Menschen, die schwere körperliche Tätigkeiten ausüben, benötigen allerdings deutlich mehr Kalorien. Für andere Menschen hingegen, die hauptsächlich sitzende Tätigkeiten ausüben, ist das bereits zu viel. Weiterhin wird auch von einer Nahrungsmittelverfügbarkeit ausgegangen, die in einigen Ländern nicht der Realität entspricht. Die Planetary Health Diet ist daher nicht eins zu eins auf alle Menschen dieser Erde übertragbar. Sie stimmt allerdings weitestgehend mit den Ernährungsempfehlungen der DGE überein und gibt deutschen Verbrauchern eine gute Orientierung, wohin die Reise auf den Tellern gehen soll.

Um eine ganzheitliche nachhaltige Ernährungswende zu erreichen, müssen Politik, Wirtschaft und Verbraucher gleichermaßen aktiv werden. Neben der Auswahl von umweltfreundlichen Lebensmitteln ist auch eine Umstellung auf biologische Anbaumethoden und eine steigende Wertschätzung unserer Ressourcen (z. B. durch Eindämmung der Lebensmittelverschwendung) notwendig.

Auswirkungen von Lebensmitteln auf die Gesundheit und den Planeten

Art und Menge konsumierter Lebensmittel haben einen gravierenden Einfluss auf die Gesundheit. Zu den häufigen ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten zählen Koronare Herzerkrankung, Diabetes Typ 2, Schlaganfall und Darmkrebs. Wissenschaftler aus Oxford haben daher untersucht, wie sich der Verzehr von einer zusätzlichen Portion eines Lebensmittels pro Tag auf die Umwelt und die Gesundheit auswirkt. Um die Umweltauswirkungen zusammenzufassen, wurden fünf planetare Belastungsgrenzen (Treibhausgasemissionen, Landnutzung, Wasserverbrauch und Nährstoffeinträge in Ozeane und Böden) in die Analyse einbezogen.
Gesunde Lebensmittel wie Kartoffeln, Gemüse, Früchte und Vollkornprodukte weisen einen geringen Einfluss auf die Umwelt auf. Unverarbeitetes und verarbeitetes rotes Fleisch wirken sich sowohl negativ auf unsere Gesundheit als auch den Planeten aus. Im Sinne von Nachhaltigkeit und Gesundheit ist demnach eine pflanzenbasierte Kost bestehend aus fünf Portionen Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukten zu empfehlen, die nur in Maßen durch tierische Produkte ergänzt wird. Experten schätzen, dass eine Ernährungsumstellung, die sich an der Planetary Health Diet orientiert, pro Jahr ca. 11 Millionen vorzeitige Todesfälle durch ernährungsbedingte Erkrankungen verhindern könnte.

Fazit

Wer sich klimabewusst ernährt, schont damit nicht nur die Umwelt, sondern fördert auch die eigene Gesundheit. Und noch besser: Positive Effekte auf Umwelt und Gesundheit lassen sich schon bei einer veränderten Mahlzeit pro Tag erkennen. Auch kleine Umstellungen sind demnach ein großer Schritt in die richtige Richtung.

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