In vielen Gebäuden mit Wohneigentum steckt enormes Potenzial zur Energieeinsparung. Für Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) ist die Umsetzung jedoch oft komplex: Mehrere Eigentümer*innen müssen sich auf Maßnahmen und Zeitpläne einigen, technische Fragen klären und rechtliche Rahmenbedingungen beachten. Das kann abschreckend wirken – muss es aber nicht.
Erster Schritt: Anbieterunabhängige Beratung
Gerade wenn die Aufgaben groß erscheinen, hilft eine Initialberatung. Sie zeigt, wo die größten Schwachstellen liegen, welche Maßnahmen sinnvoll kombiniert werden können und welche Förderungen verfügbar sind. So wird aus einer komplexen Aufgabe ein klarer Plan und der Einstieg fällt leichter. Auch ein Vortrag auf der Wohnungseigentümerversammlung durch eine neutrale Person außerhalb der Gruppe kann hilfreich sein.
Wenn der Heizungstausch nicht warten kann: Lösungen Schritt für Schritt
Auch ohne Komplettsanierung der Gebäudehülle lässt sich eine tragfähige Heizlösung finden. Entscheidend ist ein Plan in Etappen: Die Heizung jetzt und weitere Maßnahmen an Dämmung, Fenstern und Türen Schritt für Schritt, wenn es finanziell passt. Wichtig ist, die neue Anlage so zu planen, dass sie spätere Schritte am Gebäude gut mitmacht: zukunftsfähig, passend dimensioniert und nicht unnötig groß. So bleibt die WEG handlungsfähig und gewinnt Optionen.
Warum sich der Blick auf die Gebäudehülle trotzdem lohnt
Auch wenn der Heizungstausch drängt, lohnt sich parallel ein Blick auf die Gebäudehülle. „Hier liegt der Schlüssel für eine nachhaltige Sanierung: Dämmung, Fenster und Türen“, erklärt Ane Esdohr, Projektkoordinatorin Energie von der Verbraucherzentrale Berlin. Eine gute Dämmung reduziert Wärmeverluste erheblich und senkt Heizkosten. Sie sorgt zudem für angenehmere Temperaturen im Sommer wie im Winter, steigert den Immobilienwert und verbessert den Schallschutz. Entscheidend ist außerdem, dass nach der Sanierung der Gebäudehülle die Heizlast sinkt und damit häufig eine kleinere Heizung mit geringerer Leistung eingebaut werden kann. Das wirkt sich positiv auf Betriebs- und Investitionskosten aus.
Fenster und Türen
Kleine Schwachstellen mit großer Wirkung: Undichte Fenster und Türen verursachen bis zu 20 Prozent Wärmeverlust. Ein Tausch von Fenstern und Türen kann als Einzelmaßnahme vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gefördert werden.
Außenwände
Geld sparen und das Klima schützen: Über die Fassade gehen bis zu 30 Prozent Wärme verloren. Eine Dämmung lohnt sich und wird ebenfalls als Einzelmaßnahme vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gefördert.
Erneuerbare Energien mitdenken
Auch Solarthermie, Photovoltaik und Batteriespeicher können Teil des Sanierungskonzepts sein. Selbst erzeugter Strom ist oft günstiger als Netzstrom und steigert die Unabhängigkeit von Preisen der Stromanbieter.
Förderung nutzen
Für nahezu jede Maßnahme gibt es Förderungen oder Zuschüsse. Die größte Herausforderung bleibt jedoch die energetische Sanierung Schritt für Schritt zu planen und gemeinsam umzusetzen. Unabhängige Beratung unterstützt Wohnungseigentümergemeinschaften bei der Planung und Umsetzung – von der Dämmung bis zur Haustechnik.
Anmeldung und weiterführende Tipps:
Die Online-Anmeldung sowie Informationen über den Ablauf und die Kosten für eine WEG-Beratung bei der Energieberatung der Verbraucherzentrale finden Interessierte hier: https://verbraucherzentrale-energieberatung.de/beratung/energieberatung-fuer-wohnungseigentuemergemeinschaften/.
Die Energieberatung der Verbraucherzentrale kooperiert mit der Deutschen Energieagentur (dena) im Projekt „Energetische Modernisierung in Wohnungseigentümergemeinschaften“. Wissenswertes für Eigentümer*innen und Verwaltungen findet sich hier: https://www.gebaeudeforum.de/wissen/weg-praxisguide/.