Neo-Broker: Kosten und Risiken des schnellen Wertpapier-Handels per App

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Neo-Broker werben damit, dass Sie überall und jederzeit mit Wertpapieren handeln können. Ganz einfach mit einem Klick oder Wisch auf dem PC oder Smartphone. Und das angeblich kostenlos. Doch das Handeln über Trading-Portale und -Apps birgt auch Risiken.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Neo-Broker werben damit, dass Sie rund um die Uhr Wertpapiere kaufen und verkaufen können.
  • Auch wenn die Werbung von Gratis-Angeboten spricht: Am Ende kostet Sie jede Transaktion etwas, wenn auch indirekt, denn die Broker werden letztlich von beteiligten Dienstleistern in Form von Provisionen bezahlt.
  • Neo-Broker müssen ihre Provisionen Ihnen gegenüber offenlegen.
  • Trading-Portale oder -Apps sind für langfristige Anlageentscheidungen nicht notwendig.
  • Trading-Apps können Sie sogar zum "Zocken" verführen.
Junger Mann am Schreibtisch schaut auf Laptop-Bildschirm
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"Jetzt ab 0 Euro pro Order", "Investiere provisionsfrei", "Gebührenfrei handeln" - so preisen Neo-Broker wie Trade Republic oder Smartbroker ihre Online-Angebote an. Manche Händler tragen das Null-Kosten-Werbeversprechen sogar schon im Namen, wie der Anbieter finanzen.net zero. Neo-Broker werben mit Wertpapierhandel überall und "ganz einfach unterwegs" via Smartphone oder Tablet. Und das zum Nulltarif?

Brokerage-Angebote: nicht wirklich kostenlos

Auch wenn viele Neo-Broker mit niedrigen Gebühren oder gar kostenlosen Angeboten locken: Umsonst gibt es nichts. Durch Transaktionen entstehen Kosten, die an Sie weitergegeben werden. Online-Broker bekommen Provisionen, auch Rückvergütungen genannt, von den Handelsplätzen, bzw. von den Dienstleistern, die an den jeweiligen Handelsplätzen ihre Kaufaufträge entgegennehmen. Meist liegen die Provisionen, die Neo-Broker einstreichen, bei rund 3 Euro pro Kundenorder. Sie können sich aber auch, abhängig von Handelsumsatzgrößen, auf mehr als 17 Euro pro Kundenorder belaufen, schreibt z.B. Trade Republic in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB).

Transaktionskosten können dann besonders hoch sein, wenn Sie außerhalb der regulären Börsenzeiten handeln. Wer also früh morgens vor dem Weg zur Arbeit oder am Abend noch ein paar Aktien oder ETFs kaufen oder verkaufen will, erhält zwar immer aktuelle An- und Verkaufskurse. Die Kurse sind aber im Mittel systematisch schlechter als während des Börsenhandels. Erkennen können Sie das an einer höheren Geld-Brief-Spanne: Wer kaufen will, zahlt einen etwas höheren Kurs, und wer verkaufen will, bekommt einen etwas niedrigeren Kurs. Daran sollten Sie also beim Handeln denken. Ebenfalls gut zu wissen: Neo-Broker müssen diese Provisionen Ihnen gegenüber offenlegen. Die AGB sind ein guter Ort, um danach zu suchen – auch wenn es in diesem "Kleingedruckten" manchmal mühsam ist.

Trading-Apps: ein relativ neues Phänomen

Trading-Apps sind Anwendungen auf dem Computer oder dem Smartphone, mit denen Sie Wertpapiere handeln. Es gibt sie bereits seit Ende der 90er, als die ersten Discount-Broker am Markt aktiv wurden. Neu ist nun, dass etliche Broker nur noch über derartige Apps via Smartphones erreichbar sind und dass die Anwendung mittels einfacher Bedienung und ständiger Verfügbarkeit zum häufigen Handeln einladen.

Je häufiger Sie handeln, desto mehr versteckte Gebühren bezahlen Sie und desto geringer ist die erzielbare Rendite. Die Redewendung "Hin und Her macht Taschen leer" gilt ganz besonders für den Wertpapierhandel.

Risiken von Trading-Apps

Das nächste Problem: Die scheinbar kostenlose Möglichkeit zu kaufen und zu verkaufen verführt aber auch zum "Zocken". Schnelle Gewinne sind nur bei hoch riskanten Anlagen möglich. Und schließlich schränken einige Neo-Broker den Wertpapierhandel ein, indem sie Kauf- und Verkaufsaufträge nicht an allen Börsen zulassen. Grund dafür sind exklusive Vertriebsvereinbarungen mit Banken und Börsenplätzen. Geregelt ist dies in den "Sonderbedingungen für Wertpapiergeschäfte mit Ausführungsgrundsätzen".

Erste Probleme haben sich schon gezeigt. So hatte Ende Januar 2021 der Neobroker Trade Republic den Kauf bestimmter Aktien kurzfristig eingestellt, obwohl sie an den Börsen weiter handelbar waren, darunter Aktien von GameStop, Nokia und BlackBerry. Offiziell "wegen extremer Kursschwankungen und den damit verbundenen Risiken". Der Vorfall hatte damals viele Anleger auf die Barrikaden gebracht.

Einige Neo Broker, wie z.B. BUX Zero, behalten sich in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen auch das Recht vor, die Wertpapiere ihrer Kund:innen zu verleihen. Die Erträge streicht der Broker ein. Das birgt eine weitere Gefahr: Wenn viele Kleinanleger eine bestimmte Aktie bei einem Broker besitzen, ist es denkbar, dass der Broker diese Aktien einer Investmentbank leiht, damit diese sie verkaufen und auf fallende Kurse spekulieren kann.

Trading-Apps bergen also etliche Risiken. Für eine bedarfsgerechte solide Anlagestrategie braucht man diese Angebote gewiss nicht. Wie eine solche Strategie über die Börse aussehen könnte, können Sie hier nachlesen.

Gut zu wissen

  • Was auch immer Händler versprechen: Kein Angebot ist wirklich kostenlos. Meist verdienen die Broker an Provisionen. Die müssen sie Ihnen offenlegen.
  • Einen unabhängigen Anbietervergleich bietet die Stiftung Warentest an (kostenpflichtig).
  • Handeln Sie nur zu den regulären Börsenöffnungszeiten. Vergleichen Sie An- und Verkaufskurse an verschiedenen Handelsplätzen. 
  • Vermeiden Sie so genannte Klumpenrisiken: Stecken Sie niemals alles in eine einzige Anlage. Welche Renditen und Risiken am Aktienmarkt typisch sind, sagt Ihnen auch der kostenlose Rendite-Rechner der Verbraucherzentralen.

Vorsicht vor unseriösen Handels-Plattformen

Ausdrücklich von den Smartphone-Brokern trennen muss man unseriöse Trading-Plattformen. Die Verbraucherzentralen kennen Fälle von Verbraucher:innen, die regelrecht über den Tisch gezogen wurden. Vom Investment selbst, über das Nachschießen von Geldern, um Verluste zu kompensieren, bis hin zur Mandatierung (und Bezahlung) von vermeintlichen Anwälten, um die Gelder zurückzubekommen.