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Klinische Studien: Sollten Sie teilnehmen?

Stand:

In klinischen Studien sollen neue Behandlungsverfahren und neue Medikamente getestet werden. Worauf sollten Sie vor einer möglichen Teilnahme achten?

Das Wichtigste in Kürze:

  • In Deutschland gibt es bisher noch keine möglichen Impfstoffe gegen Corona, die in einer klinischen Erprobung mit Probanden sind.
  • Weltweit sind - auch unter Beteiligung deutscher Kliniken - jedoch erste Studien gestartet, um bereits vorhandene Medikamente bei der Therapie einer Corona-Infektion zu testen.
  • Klinische Studien sind gesetzlich vorgeschrieben, um neue Arzneimittel, Behandlungsmethoden oder Medizinprodukte darauf zu testen, ob sie wirksam, sicher und verträglich sind.
  • Sie finden mit freiwilligen Testpersonen statt.
  • Bevor Sie an einer solchen Studie teilnehmen, informieren Sie sich umfassend über die Studienbedingungen und darüber, welche Verpflichtungen Sie mit Ihrer Teilnahme eingehen.
Blutdruck messen beie einer Patientin
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Derzeit arbeiten Forscher weltweit mit Hochdruck an der Entwicklung eines Impfstoffes gegen den Coronavirus. Gleichzeitig werden verschiedene für andere Erkrankungen wie beispielsweise Aids, Ebola, Hepatitis C, Rheuma oder Grippe bereits entwickelte Medikamente darauf getestet, ob sie auch gegen den aktuellen Coronavirus SARS-CoV-2 wirksam sind.

Auch in Deutschland sind etliche Einrichtungen daran beteiligt, vorhandene Medikamente zu testen und einen neuen Impfstoff zu entwickeln. Bevor diese Produkte zugelassen werden, muss ihre Wirksamkeit und Sicherheit in klinischen Studien nachgewiesen werden.

Was sind klinische Studien?

In klinischen Studien soll nach wissenschaftlichen Kriterien geprüft werden, ob eine neue Behandlungsmethode oder ein neues Medikament dem bisherigem Behandlungsstandard bzw. der Gabe eines Scheinpräparates, einem so genannten Placebo, überlegen ist. 

Im Fall der Corona-Infektion handelt es sich um eine erstmals 2019 aufgetretene Erkrankung, für die es bislang noch keinen Impfstoff und kein hinreichend getestetes Medikament zur Behandlung gibt. 

In jedem Fall gehen der Anwendung neuer Arzneimittel oder neuer medizinischer Behandlungs- und Untersuchungsverfahren am Menschen weit reichende Tier- sowie Zellversuche voraus. Sind diese Versuche mit Erfolg verlaufen, wird die neue Methode in klinischen Studien am Menschen getestet. Deren Teilnehmer werden häufig als Probanden bzw. Testpersonen bezeichnet. Aus diesem Grund dauert die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Corona eine gewisse Zeit, um die Wirksamkeit und Sicherheit des Stoffes auch sicherzustellen.

Die Art und Weise, wie eine klinische Studie durchgeführt wird (das so genannte Studiendesign), entscheidet über die Qualität der Ergebnisse.

Höchste Aussagekraft haben Studien, die

  • placebokontrolliert (Vergleich zwischen Wirkstoff und Scheinmedikament),
  • doppelblind (weder Arzt noch Proband wissen, welcher Teilnehmer Placebo oder Wirksubstanz erhält) und
  • randomisiert (Zuordnung der zu vergleichenden Therapieformen nach dem Zufallsprinzip)

durchgeführt werden.

4 Phasen von klinischen Studien

 

Was geschieht mit den Daten aus klinischen Studien?

Nach Durchführung der Phase-III-Studien werden die erzielten Ergebnisse vom jeweiligen Arzneimittelhersteller genutzt, um die Zulassung für das Medikament zu beantragen. Denn bevor ein Medikament vom Arzt verschrieben werden kann bzw. in der Apotheke erhältlich ist, muss es amtlich zugelassen werden. Die Ergebnisse aus den klinischen Prüfungen werden dazu durch die Zulassungsbehörden geprüft.

Zulassungsbehörden sind

  • das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
  • das Paul-Ehrlich-Institut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel (PEI) und
  • in Europa die Europäische Arzneimittelagentur (EMA European Medicines Agency)

Wie bei jeder anderen Behandlung legt der Arzt Dokumente an, die Angaben über die Erkrankung, die Behandlungsmaßnahmen und die Untersuchungsergebnisse enthalten. Anders als sonst, ist es bei einer Studie nötig, dass ein Teil der Daten weitergegeben wird. Diese Weitergabe erfolgt allerdings verschlüsselt und nur wenige

Institutionen wie die Auftraggeber von klinischen Studien, die zuständige Überwachungsbehörde und die zuständige Bundesbehörde, die die Studie genehmigt hat, dürfen diese Daten einsehen. Mit der Weitergabe ihrer Daten im genannten Rahmen müssen sich die Testpersonen vor der Teilnahme an der Studie einverstanden erklären. Die Daten werden auch dann weitergenutzt, wenn jemand die Studie vorzeitig abbricht.

Für die Aufbewahrung der Daten gelten die aktuellen Bestimmungen des Datenschutzes. In der Regel werden sie mindestens zehn Jahre aufbewahrt. Alle an der Studie beteiligten Personen unterliegen - wie behandelnde Ärzte und Pflegekräfte - der Schweigepflicht und dürfen Ihre Daten nicht an unbeteiligte Dritte wiedergeben.

Welche Vor- bzw. Nachteile hat die Teilnahme an klinischen Studien?

Für teilnehmende Patienten besteht die Möglichkeit, ein bisher noch nicht allgemein zugängliches Behandlungsverfahren zu erhalten. Darüber hinaus steht durch die Teilnahme eine besondere qualitätsgesicherte ärztliche Überwachung und intensive Betreuung zur Verfügung. Zudem erhalten Teilnehmer - je nach Studie - oft auch eine finanzielle Aufwandsentschädigung, die sich am zeitlichen Aufwand orientiert.

Neben den genannten Vorteilen können neue Behandlungsverfahren allerdings auch bisher nicht bekannte Gefahren aufweisen:

  • Neue Methoden können eventuell weniger wirksam als bisherige Verfahren oder sogar schädlich sein.
  • Patienten, die der Kontrollgruppe zugeteilt werden, erhalten ein herkömmliches Medikament oder ein Scheinpräparat.
  • Außerdem kann die enge ärztliche Überwachung individuell eine hohe Belastung darstellen und mit Einschränkungen verbunden sein. Dazu zählen zum Beispiel konkrete Termine oder Dokumentationspflichten. Eventuell müssen Verhaltensweisen beachtet oder sonstige ärztliche Behandlungen mit den Studienärzten abgestimmt werden.

Keinesfalls sollten Sie an mehreren Studien gleichzeitig teilnehmen, da dies das gesundheitliche Risiko unberechenbar macht. Obwohl es auch gesetzlich verboten ist, gibt es immer wieder Personen, die aus finanziellen Gründen ein derartiges hohes gesundheitliches Risiko eingehen.

Wie wird die Qualität der Studien gesichert? 

Es existieren strenge gesetzliche Vorschriften zur Durchführung von klinischen Studien, um das vorhandene Risiko für die Studienteilnehmer einzugrenzen. Die Rechtsgrundlagen zur Durchführung einer klinischen Prüfung sind in Deutschland u. a. im Arzneimittelgesetz geregelt.

Der behandelnde Arzt ist verpflichtet, jeden Versuchsteilnehmer ausführlich über den möglichen Nutzen und alle Risiken aufzuklären. Wichtige Informationen zur Studie bekommen Probanden auch schriftlich. Sie müssen zudem genau festgelegte Voraussetzungen erfüllen, um in eine Studie aufgenommen werden zu können. Diese können beispielsweise ein bestimmtes Alter oder Krankheitsstadium oder bereits durchgeführte Behandlungen sein.

Vor der Entscheidung über eine Teilnahme sollte immer mit dem behandelnden Arzt Rücksprache gehalten werden. Die Einwilligung des Probanden zur Teilnahme muss vorab schriftlich erfolgen. Sie kann jedoch jederzeit ohne Angabe von Gründen und ohne Nachteile widerrufen werden. Für die Studienteilnehmer muss grundsätzlich eine

Versicherung abgeschlossen werden, die das Risiko eines eventuellen Gesundheitsschadens finanziell abdeckt. Sollten Sie Interesse an der Teilnahme an einer klinischen Studie haben, sollten Sie vorher genau prüfen, ob eine solche Absicherung besteht. Wenn nicht, sollten Sie keinesfalls zustimmen. 

Eine Studie darf nur durchgeführt werden, wenn das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) oder das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) für Studien mit Blutprodukten, Impfstoffen und Antikörperpräparaten diese genehmigt hat.
Zusätzlich wägt eine Ethik-Kommission sorgfältig den Nutzen und die Risiken der Studienteilnahme nach ethischen, medizinischen und juristischen Kriterien ab. Sie gibt ihre Zustimmung zur Durchführung der Studie nur, wenn sie keine Bedenken hat. 

In Deutschland gibt es das von der WHO anerkannte Deutsche Register Klinischer Studien (DRKS) beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI). Das Register dokumentiert derzeit mehr als 7.000 klinische Studien.

Damit hilft das Register unter anderem, Teilnehmer für Studien zu finden oder Doppelstudien zu vermeiden.
Vor allem aber bietet es einfach zugängliche Informationen für die Öffentlichkeit und Wissenschaft.


Checkliste: Was Sie beachten sollten, bevor Sie an einer klinischen Studie teilnehmen

Keinesfalls sollten Sie ohne eine Abklärung der nachfolgenden Punkte der Teilnahme an einer klinischen Studie zustimmen: 

  • Was ist das konkrete Ziel der klinischen Studie?
  • Wie ist der Ablauf der Studie geplant?
  • Wer finanziert die Studie?
  • Entstehen Ihnen durch die Studienteilnahme Kosten? 
  • Gibt es eine Aufwandsentschädigung? 
  • Ist eine Probandenversicherung abgeschlossen worden? 
  • Mit welchem zeitlichen Aufwand ist die Teilnahme verbunden? 
  • Welche Verpflichtungen sind mit der Studienteilnahme verbunden? 
  • Ist eine längere Nachbeobachtung nach Abschluss der Studie erforderlich?
  • Welchen Nutzen und welche Risiken birgt die Studienteilnahme im Vergleich zu bisherigen Therapieverfahren?
  • Welche Erfahrungen liegen für das neue Therapieverfahren bereits vor?
  • Mit welchen Nebenwirkungen ist zu rechnen?
  • Wer ist für die Studienbetreuung verantwortlich? 
  • Wer kann im Notfall oder bei auftretenden Fragen kontaktiert werden? 
  • Welche Daten werden erhoben, verarbeitet und gespeichert? 
  • Mit welchen Einschränkungen muss zu Beginn oder während der klinischen Studie gerechnet werden (z. B. keine Schwangerschaft, kein Alkohol)?
  • Was passiert, wenn die Studie vorzeitig beendet wird?
  • Falls erforderlich: wie kann die Behandlung nach dem Studienende weitergeführt werden?