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Diäten mit bestimmten Produkten, Schlankheitsmittel

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Geht`s ums Abnehmen, können Medikamente und Schlankheitsmittel immer nur eine Nebenrolle spielen. Wir geben einen Überblick über verschiedene Arten von frei verkäuflichen Präparaten, ihre Zusammensetzung und Wirkung sowie die Gefahren der Produkte.

Gelber Apfel mit dem Maßband und ein Glas Wasser
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Diäten zur Gewichtsreduktion erfordern ein hohes Maß an Durchhaltevermögen sowie die persönliche Bereitschaft, das bisherige Essverhalten zu erforschen und vor allem zu verändern.

Wundermittel versprechen dagegen den Verlust vieler Kilos bei minimalem Einsatz. Doch egal, ob Medikament, Medizinprodukt, diätetisches Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel - die dauerhafte Wirkung der angepriesenen Produkte ist in den meisten Fällen zweifelhaft. Im Extremfall kann sogar die Gesundheit Schaden nehmen. So werden beispielsweise Präparate wie Entwässerungs- oder Abführmittel entgegen ihrer eigentlichen Bestimmung auch zur Gewichtsreduktion angeboten, obwohl sie gefährliche Nebenwirkungen auslösen können. Wer ein gesundheitliches Risiko ausschließen will, sollte den Apotheker genau über seine Krankheiten und seinen Medikamentenplan informieren und möglicherweise mit seinem Hausarzt sprechen, bevor ein Mittel eingenommen wird.

Grundsätzlich gilt: Medikamente und Schlankheitsmittel können immer nur eine untergeordnete Rolle bei einer Gewichtsabnahme spielen. Entscheidend ist dagegen, Kalorien im Rahmen einer abwechslungsreichen Mischkost einzusparen und ein vernünftiges Essverhalten, vielleicht in einer Gruppe, zu lernen. Auch körperliche Bewegung ist ein Muss.

Im Folgenden werden verschiedene Arten von frei verkäuflichen Schlankheitsmitteln, ihre Zusammensetzung und Wirkung sowie die Gefahren der einzelnen Präparate vorgestellt. Keines dieser Mittel ist für Kinder geeignet!

Formula-Diäten

Die frühere Bezeichnung "Formula-Diät" (zum Beispiel Herbalife, Optifast, Almased, Slimfast, Das gesunde Plus Vitalkost, Precon BCM-Diät, Layenberger Fit+Feelgood, Yokebe Aktivkost, Bodymed Sana-Fit, Wellmix Balance Shakes) dient als Sammelbegriff für verschiedene Pulver, die mit Wasser oder Milch angerührt werden und als alleinige Kost eine oder mehrere Tagesmahlzeiten ersetzen sollen. Der offizielle Name der Produktkategorie lautet "Mahlzeit für eine gewichtskontrollierende Ernährung". Die Zusammensetzung ist in der EU-Verordnung Nr. 432/2012 gesetzlich vorgeschrieben. Der Nährstoffgehalt ist daher bei all diesen Produkte gleich.

Bei Produkten, die zum Ersatz einer ganzen Tagesration "Tagesration für eine gewichtskontrollierende Ernährung" bestimmt sind, handelt es sich dagegen um sogenannte bilanzierte Diäten, die in der Diät-Verordnung geregelt sind. Auch hier gibt es Vorgaben zum Nährstoffgehalt (Anlage 17). Sie müssen den Warnhinweis "Darf ohne ärztlichen Rat nicht länger als drei Wochen verwendet werden" tragen.

Meist handelt es sich um sogenannte Shakes in den Geschmacksrichtungen Erdbeere, Vanille, Schoko, Tropic, seltener um cremige Suppen.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat in einem Marktcheck ermittelt, dass viele Formula-Diät-Produkte zur Hälfte aus Zucker bestehen. Die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Zuckerzufuhr auf unter fünf Prozent pro Tag zu begrenzen, wurde bei 7 von 10 getesteten Produkten um ein Vielfaches überschritten. Daher ist beim Kauf von Formula-Diäten unbedingt auf den Zuckergehalt zu achten.

Des Weiteren wurde bei einer Untersuchung von Ökotest 1/2019 aufgezeigt, dass auf vielen Produkten unseriöse Versprechungen, sowie falsche bzw. unzureichende Kennzeichnungen zu finden sind. Überflüssige Zusätze, wie Aromen und künstliche Süßstoffe, erhöhte Chlorat-Gehalte oder Mineralölrückstände und gentechnisch verändertes Soja - waren weitere Kritikpunkte, wodurch das Gesamturteil bei zwei Drittel der getesteten Produkten "ungenügend" bzw. "mangelhaft" ausfiel.

Appetitbremsen

Dabei handelt es sich um freiverkäufliche Nahrungsergänzungsmittel (NEM). Dadurch unterscheiden sie sich von den Appetitzüglern (Medikamenten), die verschreibungspflichtig sind. Meist enthalten Appetitbremser Mate- oder Guarana-Extrakte und wirken hungerdämpfend, gleichzeitig anregend und leicht entwässernd. Diese Produkte bewirken in der Regel keine dauerhafte Gewichtsreduktion. Im Gegensatz zu Arzneimitteln müssen für NEM keine Wirkstudien vorliegen; die  Werbung darf allerdings auch nicht irreführend sein.

Der appetithemmende Arzneistoff Sibutramin ist seit 2010 weltweit verboten. Bereits seit 2007 ruht - ebenfalls wegen schwerer Nebenwirkungen - die Zulassung für einen anderen appetitzügelnden Arzneiwirkstoff (Rimonabant). Selbst diese rezeptpflichtigen Präparate wirkten im Vergleich mit einem Placebo nur etwa vier bis 5 Prozent besser. Nach Absetzen des Medikaments stieg das Körpergewicht wieder an (Jo-Jo-Effekt).

Homöopathische Schlankheitsmittel

Auch homöopathische/anthroposophische Arzneimittel werden zur Gewichtsreduktion vermarktet. Diese Produkte enthalten Potenzen verschiedener Heilkräuter (z. B. Madar), Tintenfisch oder Silbernitrat. Sie sollen zumindest „seelisch-geistig“ bei der Gewichtsreduktion unterstützen. Belege für die Wirksamkeit dieser aus historischen Gründen zulassungsfreien Arzneimittel über den Plazeboeffekt hinaus fehlen.

Entwässerungs- und Abführmittel

Hierbei handelt es sich um sogenannte diuretisch oder laxierend wirkende Arzneimittel. Einige sind frei verkäuflich, andere rezeptpflichtig. Allen gemeinsam ist, dass sie  keine Schlankheitsmittel sind. Wasserverluste und erhöhte Stuhlmengen stehen weder für echte Gewichtsabnahme noch für Fettabbau. Die unkontrollierte Dauereinnahme dieser Medikamente (auch als Arzneitees) ist gesundheitsgefährdend.

Ballaststoff- und quellstoffhaltige Produkte

Diese Erzeugnisse werden gerne als wirksame Hungerbremsen oder Sättigungsmittel beworben. Es handelt sich immer um Lebens- oder Nahrungsergänzungsmittel oder um Medizinprodukte, nicht um Arzneimittel. Quell- und Ballaststoffe können nur wirken, wenn gleichzeitig ausreichend getrunken wird. Andernfalls besteht die Gefahr eines Darmverschlusses. Ein wirksamer Quellstoff ist Glucomannan aus der Konjak-Knolle. Packungsbeilagen sollten unbedingt beachtet und mit dem Apotheker genau besprochen werden - auch wegen der Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Quell- und Ballaststoffe sättigen wirklich, bergen allerdings die Gefahr, dass man sich an den Sättigungseffekt gewöhnt und diesen nach der Gewichtsabnahme durch größere Essmengen kompensiert. Ohne eine Einschränkung der Kalorienzufuhr funktionieren die Produkte nicht. Teilweise enthalten die Präparate zusätzlich Wirkstoffe mit abführender oder entwässernder Wirkung, so dass der Gewichtsverlust nur zum Teil echt ist.

Fett- und Kohlenhydratblocker

Diese Mittel werden heute meist als Medizinprodukte angeboten. Sie unterliegen damit nicht dem Lebensmittelrecht und wirken prinzipiell rein physikalisch. Einige von ihnen sollen durch Inhaltsstoffe wie Chitosan Nahrungsfett binden. Die gewünschte Wirkung wird aber nur zusammen mit einer kalorienreduzierten Ernährung erzielt; das Produkt alleine reicht nicht.

Mit einem etwas anderen Prinzip, aber auch die Aufnahme von Fett behindernd, arbeiten  (teilweise) verschreibungspflichtige Medikamente mit dem Wirkstoff Orlistat.

Medizinprodukte mit so genannten Kohlenhydratblockern  behindern ein Verdauungsenzym, das für die Spaltung von Kohlenhydraten (Stärke aus Nudeln, Brot etc.) erforderlich ist. Allerdings spaltet dieses auch nur etwa 60 Prozent der Stärke, nämlich eine der beiden Stärke-Komponenten. Und: Gegen zu viel Zucker hilft das auch nicht. Unverdaute Stärke wird später von Darmbakterien abgebaut, wobei es zu Blähungen und Durchfall kommen kann.

Achtung: Werden Hauptnährstoffe vom Körper nicht richtig aufgenommen, kann das auch die Versorgung mit Mikronährstoffen wie Vitaminen negativ beeinflussen. Auch die Aufnahme mancher Medikamente kann behindert werden.

Enzympräparate

Diese Mittel versorgen den Körper mit eiweißspaltenden Enzymen wie Papain oder Bromelain (aus Papaya bzw. Ananas), an denen es angeblich mangelt. Es wird jedoch kein Fett abgebaut, sondern der Körper in die Lage versetzt, Eiweiß besser ausnutzen zu können. Das spart aber keine Kalorien. In einigen Präparaten sind Fruchtsäuren enthalten, die abführend wirken. Meistens handelt es sich bei diesen Produkten um Nahrungsergänzungsmittel. Teilweise sind sie zusätzlich mit Vitaminen angereichert, um eine gesundheitsbezogene Werbeaussage zu ermöglichen.

Hormone

Immer mal wieder populär ist die HCG-Diät. HCG (humanes Choriongonadotropin) ist ein Hormon, das während der Schwangerschaft in der menschlichen Plazenta gebildet wird und für die Erhaltung der Schwangerschaft verantwortlich ist. Die "Diät", die einen Monat dauert, stammt aus den 50-iger Jahren des vorherigen Jahrhunderts. Sie setzt auf eine sehr niedrige Energiezufuhr (circa 500 Kilokalorien) und eben die Einnahme des Hormons in Form von Injektionen, Tropfen, Tabletten oder Spray. Theoretischer Hintergrund: Angenommen wird, dass das Hormon bei einer Unterversorgung die Fettreserven der Schwangeren mobilisiere, um die Versorgung des Ungeborenen sicherzustellen. Dafür gibt es jedoch keinerlei Belege. Fest steht dagegen: Wer mit dieser "Diät" abzunehmen versucht, der riskiert sowohl Nierensteine als auch Herzrhythmus- und Stoffwechselstörungen.

HCG ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel und darf nicht als Abnehmhilfe verkauft werden, auch wenn sich im Internet viele Angebote finden. Auch in den USA sind HCG-Produkte als Schlankheitsmittel illegal.

Wer während einer HCG-Behandlung Gewicht verliert, verdankt das keineswegs dem Hormon, sondern ausschließlich der sehr niedrigen Energiezufuhr. Die Kalorienmenge ist so gering, dass es bereits nach kurzer Zeit zu einem Mangel an lebensnotwendigen Nährstoffen und Mineralstoffen kommt. Zudem lässt sich nach derart extremem Darben der Jo-Jo-Effekt umso schneller beobachten.

Light-Produkte

Viele Lebensmittel gibt es auf dem Markt in einer Light-Version, wobei sich dieser Begriff auf ganz verschiedene Eigenschaften des "normalen" Produkts beziehen kann. In der Regel bedeutet "Light" dass es sich um eine kalorienärmere Variante handelt. Genauso gut kann es aber auch ein Produkt sein, bei dem der Fett-, Alkohol-, Zucker- oder Koffeingehalt reduziert ist. Durch die Verwendung von Lightprodukten sollen Kalorien eingespart werden - denn bei diesen Lebensmitteln werden entweder Kalorienträger wie etwa Fett und Zucker gegen kalorienfreie Fettersatzstoffe und Süßstoffe getauscht, oder es wird einfach der Wasseranteil erhöht.

Um Light-Produkte so aussehen und schmecken zu lassen wie die Ursprungsprodukte, ist meist eine aufwändige Verarbeitung erforderlich, bei der verschiedenste Zusatzstoffe (Aromen, Geschmacksverstärker, Verdickungsmittel) eingesetzt werden. Ob Light-Produkte helfen können, das Körpergewicht zu halten oder abzunehmen, ist fraglich. Viele dieser Lebensmittel sättigen nicht anhaltend, so dass doch mehr gegessen wird und die Übersicht über die tatsächliche Kalorienmenge verloren geht. Light-Produkte können zum Verzehr größerer Portionen verleiten; ungünstige Essgewohnheiten werden durch sie nicht unbedingt geändert.

Sonstige Mittel

Bei vielen anderen Präparaten, die als "rein pflanzlich", "ärztlich erprobt" oder mit "Schlankheitsgarantie" angepriesen werden, kann nicht auf die versprochene Wirkung vertraut werden. Auch Hinweise wie "zertifiziert", "geprüft", "Good Manufacturing Practice" (GMP) oder "entspricht der EU-Richtlinie xy" haben keinerlei Aussagekraft. Möglicherweise sind bei einigen Produkten kurzzeitige Erfolge zu verbuchen.

Nachhaltige Gewichtsreduktionen können aber nur durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren (Ernährung, Bewegung, Entspannung, ausreichend Schlaf) erzielt werden. Auch der Hinweis "nur in der Apotheke erhältlich" ist kein Qualitätskriterium.

Prüfen Sie kritisch!

Unsere Checkliste hilft Ihnen dabei, die Spreu vom Weizen zu trennen und Angebote genau unter die Lupe zu nehmen.

Angebote per Post, an der Haustür, im Internet

Besondere Skepsis ist angebracht, wenn Produkte unaufgefordert per Post angeboten werden, die Bestelladresse im Ausland liegt oder lediglich eine Bestell-Hotline angegeben wird. Das gilt ebenso für Haustürgeschäfte oder Angebote von Bekannten. Mehr zu Ihren Verbraucherrechten bei solchen Bestellungen erfahren sie hier.

Erhöhte Vorsicht sollte man auch bei Produkten aus dem Internet walten lassen. Viele der dort angebotenen Mittel sind in Deutschland nicht verkehrsfähig – und nicht alles, was „Apotheke“ heißt, ist auch eine. Zugelassene Versandapotheken sind im Versandhandelsregister des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte aufgeführt.

Wer in Geschäften oder Apotheken vor Ort ein Mittel kauft, sollte darauf achten, dass das Produkt eine deutsche Zutatenliste enthält und Name und Adresse des Vertreibers oder Herstellers angegeben sind. Nur so kann man bei Problemen Kontakt aufnehmen. Nicht alle Mittel, die in der Apotheke angeboten werden, sind qualitativ zu empfehlen. Ärzten ist der Verkauf von Schlankheitsmitteln und anderen Produkten während der Praxiszeiten untersagt. Wenn Ihr Arzt Ihnen ein Produkt empfiehlt, sollten Sie ihm diese Fragen stellen.