App-Test »EcoCheck«: Eine Einkaufsliste voller Nachhaltigkeit

Stand:
Lebensmittel scannen, Shoppinglisten anlegen, nachhaltige Alternativen finden und die eigene Emissionsbilanz ins Gleichgewicht bringen: Das Angebot von "EcoCheck" klingt nach einer rundum-sorglos-Lösung für klimafreundliches Einkaufen. Aber wird die App den selbst gesteckten Ansprüchen gerecht?
Schriftzug "eco" auf grünem Hintergrund als Logo der App EcoCheck

Mangelnde Ambition kann man dem Lübecker Startup hinter EcoCheck nicht vorwerfen. Der Funktionsumfang ihrer App beinhaltet alle wichtigen Features, die Mitbewerber im Bereich mobile Produktscanner auch zu bieten haben. Hinzu kommen noch die Möglichkeit, den eigenen CO2-Fußabdruck durch Kompensationszahlungen möglichst klein zu halten, und sinnvolle Ergänzungen wie Tipps zur korrekten Lagerung von Obst und Gemüse oder das Teilen der Einkaufsliste in Familie und Freundeskreis. Die attraktiv präsentierten Features und intuitive Handhabung können allerdings nicht vollständig über einige technische Kritikpunkte hinwegtrösten.  

Off

Name: EcoCheck - Deine Einkaufsliste
Anbieter: Hammele Huber OHG (ecocheck.app)
Kategorie: Digitale Welt | Lebensmittel | Umwelt & Haushalt
Zielgruppe: Erwachsene
Betriebssystem: iOS | Android
Preis: kostenlos | optional kostenpflichtige Version ab €24,99/Jahr
Links: Apple App Store | Google Play Store

Premium oder nicht Premium?

EcoCheck bietet die Erstellung eines Nutzerkontos unter anderem mittels Apple- oder Google-Account an, zugunsten der Datensparsamkeit empfehlen wir aber die E-Mail-Registrierung. Tatsächlich ist die App-Nutzung auch ohne Anlegen eines Nutzerkontos möglich, sofern man keinen Wert darauf legt, die angelegten Einkaufslisten zukünftig auch auf einem anderen Smartphone zu nutzen. Sehr prominent wird bei erstmaliger Nutzung die sogenannte Pro-Version von EcoCheck beworben. Diese ist jährlich für €24,99/€23,99 (iOS/Android) oder drei Monate lang für €8,99 erhältlich. Ein klimaneutrales Jahresabo, das eine monatliche Ausgleichszahlung von €2,08 enthält zugunsten von Klimaschutzprojekten enthält, ist für €49,99/€47,99 (iOS/Android) zu haben. Dafür erhalte man dauerhaft werbefreie Inhalte, "Premium Support" und fördere die weitere technische Entwicklung der App, verspricht die App. Da uns in den Datenschutzbestimmungen keine Hinweise auf Marketing-Inhalte oder -Cookies auffielen und der App-Anbieter eine Weitergabe von Personendaten an Dritte ausschließt, ist EcoCheck zum Zeitpunkt unseres Tests im Juni 2024 auch ohne Abo werbefrei nutzbar. Auch sonst ist die App erfreulich datensparsam: Eine Zustimmung zur Zusendung von Pushnachrichten wird nur einmalig nach der Registrierung abgefragt, der Zugriff auf die Smartphone-Kamera ist zwecks Produkterkennung per Barcode-Scan zwar empfehlenswert, aber Dank einer alternativen Textsuche nicht verpflichtend. Wünschenswert wäre, Hinweise zum Datenschutz und weiterführende Informationen zur Verwendung von EcoCheck auch innerhalb der App verfügbar zu machen. Aktuell sind diese wichtigen Inhalte nur auf der Homepage des Anbieters verfügbar.

Ein überzeugendes Angebot

Die 2023 gelaunchte App EcoCheck wagt sich als vergleichsweise junges Angebot zum digitalen Klimaschutz in den heiß umkämpften Markt mobiler Produktscanner. Dabei orientiert sie sich am Konzept und den Schlüsselfunktionen bekannter Angebote wie Yuka und Codecheck, allerdings ohne deren Einbeziehung von Drogerieartikeln. Stattdessen setzt EcoCheck einen stärkeren Fokus auf Nachhaltigkeitsaspekte und die Möglichkeit, gemeinnützige Umweltprojekte durch eine Geldspende zu fördern. Dazu gehören beispielsweise die Kultivierung klimaresilienter Mischwälder oder biodiverser Ackerbau. Der gespendete Betrag funktioniert als sogenannte CO2-Kompensation oder auch Ausgleichszahlung für die auf der App-Einkaufsliste erfassten Lebensmittel. Dieser Mindestbetrag von 99 Cents in der iOS-Version und 49 Cents in der Android-Version - dies entspricht 5kg CO2-Emissionen - kann per mit dem Smartphone verknüpften Zahlungsdienstleister beglichen werden. Und damit wären wir auch bei der Kernfunktion der App angelangt: der Prüfung von Lebensmittelprodukten aus dem Einzelhandel auf ökologische und gesundheitliche Aspekte.

In unserem stichprobenartigen Test mit rund 50 Lebensmitteln lag die Trefferquote bei über 80 Prozent. Das heißt: Nur jedes fünfte Produkt wurde nach dem Scan nicht in der EcoCheck-Datenbank gefunden. Ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis, bedenkt man, dass die in der App hinterlegten Datensätze zukünftig vermutlich noch erweitert werden. Zu jedem Produkt werden Scores zu Nachhaltigkeit und Gesundheit auf einer Skala von Eins bis Zehn angezeigt. Diese Bewertungen stützen sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse und ernährungsphysiologische Richtlinien, mit denen der App-Algorithmus gefüttert wird. Dieser errechnet auf Grundlage der Zutaten und Nährwerte einen annähernd akkuraten CO2-Fußabdruck und Gesundheits-Score des Produkts. Darüber hinaus kann man sich übersichtlich präsentiert zu den Nährwerten, dem Nutri-Score und Nova-Score des Produkts informieren. Grafiken weisen darauf hin, ob ein Produkt gewisse Klimaschutzstandards erfüllt, beispielsweise aus nachhaltiger Fischerei stammt oder frei von Palmöl ist. Außerdem benennt die App zu jedem in der Datenbank erfassten Artikel Alternativprodukte mit gleichwertigen oder besseren Nachhaltigkeits- und Gesundheitsbewertungen.

Hat man einen Artikel im Supermarkt oder Discounter gescannt und diesen in den Einkaufswagen gelegt, markiert man diesen und erhält so am Ende der Shoppingtour eine Emissionsbilanz für den gesamten Einkauf. EcoCheck ermöglicht es auch, mehrere Einkaufslisten anzulegen und diese mit anderen App-Nutzer:innen mittels eines Codes zu teilen. Ein durchaus praktisches Feature, wenn man denn einmal die bessere Hälfte oder den Nachwuchs mit dem Lebensmitteleinkauf betrauen möchte.

 

Screenshots von beispielhaften Funktionen der App EcoCheck
Produktinformationen und -alternativen werden übersichtlich präsentiert (Abb.1&2). Ab einer Emissionsbelastung von 5kg CO2 kann man den Lebensmitteleinkauf durch eine Spende kompensieren (Abb.3). Wer die App-Entwicklung fördern möchte, kann dies mit einem kostenpflichtigen Abo tun (Abb.4.). (Quelle: Screenshots)

Ehrlich währt am längsten

Inhaltlich muss sich EcoCheck wenig vorwerfen lassen. Schwächen im Detail erkennt kann man erst bei genauerem Hinsehen. Positiv: Die in der App enthaltenen Tipps zur Lagerung sind ein aus klimafreundlicher wie wirtschaftlicher Sicht hilfreiches Feature, das uns leider in den Apps zum nachhaltigen Einkauf von Lebensmitteln und Speisen viel zu selten begegnet. Ein Angebot wie Saisonkalender: Obst & Gemüse ist in dieser Hinsicht  eine der wenigen Ausnahmen von der Regel, kann aber aufgrund seines geringeren Funktionsumfangs nicht mit der hier getesteten App konkurrieren. Umgekehrt kann EcoCheck leider auch nicht mit einem umfassenden Ratgeberangebot zum Thema Lebensmittellagerung mithalten, beschränkt sich das Angebot doch auf eine listenartige Übersicht von 50 Obst- und Gemüsesorten mit teils sehr einsilbig geratenen Aufbewahrungshinweisen.

Auch den zuvor erwähnten Produktbewertungen zu Nachhaltigkeit und zum Gesundheitsfaktor sind qualitative Grenzen gesetzt. Die App-Entwickler:innen selbst weisen in Infotexten darauf hin, dass die vergebenen Scores nur als ungefähre Richtungsangabe hinsichtlich des ökologischen und gesundheitlichen (Mehr)Werts betrachtet werden sollten. Zwar fußen die Bewertungen auf Fakten wie Nährwertangaben, mehr oder weniger kritisch zu bewertenden Zutaten oder dem Grad der Verarbeitung, woraus sich eine tendenziell positive oder negative Bewertung und die produktspezifischen CO2-Emissionen errechnen lassen. Die Software berücksichtigt jedoch nicht die Herkunft, Transportwege und Verpackung der Zutaten bzw. fertigen Handelsprodukte. Beispielsweise, ob die Tropenfrucht aus der Konserve per Schiff oder Flugzeug importiert wurde; oder, ob der Biojoghurt im Plastikbecher oder Mehrweg-Glas verkauft wird. Letztendlich verdient der an dieser Stelle offenkundige Wunsch nach Transparenz des App-Anbieters, der selbst auf die Grenzen der Aussagekraft solcher Wertungen verweist, aber auch Wertschätzung. Regelmäßig begegnen uns an dieser Stelle Anbieter, die unter dem Vorwand der Nachhaltigkeit Apps mit zweifelhaftem Öko-Mehrwert und zum eigenen wirtschaftlichen Vorteil anbieten. Da ist uns die Ehrlichkeit von EcoCheck im Zweifelsfall lieber.

Technisch schwaches Finish

Leider ist EcoCheck in den von uns getesteten Versionen (v2.0.23 für iOS und v2.0.29 für Android) technisch nicht annähernd so überzeugend wie hinsichtlich seiner informativen Inhalte und hilfreichen Funktionen. Bereits bei der Personalisierung des Nutzerbildes stürzte die App erstmals ab und konnte erst nach einem Neustart wieder benutzt werden - allerdings nur mit Einschränkungen. Der Profilbereich ließ sich fortan nicht mehr öffnen. Somit konnten wir in diesem Test auch keine individuellen Geschmacksvorlieben mehr auswählen, die ebenfalls produktspezifisch errechnet und auf der bekannten Zehnerskala angezeigt werden. So zumindest die Theorie. Stattdessen wird anstelle des Nutzerprofils nur ein weißer Screen angezeigt. Der Fingertipp auf Produkte, die bereits auf der Einkaufsliste standen, führte ebenfalls immer wieder zum Absturz. Ebenso wie das Scannen neuer Produkte und der Versuch, Artikel stattdessen über die textbasierte Suchfunktion hinzuzufügen. Zwar zeigt EcoCheck nach dem Eintippen der ersten paar Buchstaben diverse mögliche Treffer an, die Auswahl führt aber wiederum zum Einfrieren und unausweichlichen Neustart der App. Das sorgt leider dauerhaft für Frust.

Fazit

EcoCheck kann zunächst überzeugen, ist es doch eine der wenigen Apps, die Aspekte wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit konsequent transparent und verbindlich kommuniziert und dabei auch noch gut aussieht. Ein substantieller Mehrwert für einkaufslustige, umweltbewusste Verbraucherinnen und Verbraucher wäre aber erst dann gegeben, wenn die technische Stabilität der App mit der Qualität des Konzepts und der Inhalte mithalten kann. Bis dahin hoffen wir auf die baldige Fehlerkorrektur in Form eines Updates.

Handhabung 4 Sterne
Spaß 2 Sterne
Mehrwert 4 Sterne
Motivation 3 Sterne
Datensparsamkeit 4 Sterne
Gesamtwertung 3 Sterne

Haben Sie Hinweise, Korrekturen oder sonstiges Feedback zu unserem App-Test? Ich freue mich über Ihre E-Mail an lohmeier[at]vz-bln.de. Danke für Ihr Interesse! (Patrick Lohmeier)

ClimApps Check Icon

CliMapps - Spielend einfach Klima schützen!

CliMapps ist Ihr vertrauenswürdiger Begleiter durch die Welt der Klimaschutz-Apps. Wir testen digitale Lösungen für mehr Nachhaltigkeit und umweltbewussten Konsum im Alltag. Und was uns dabei ganz wichtig ist: Es soll Spaß machen!

Förderhinweis BMUV

Ratgeber-Tipps

Ratgeber Einfach nachhaltig
Mehr Unabhängigkeit von Öl, Kohle und Gas. Der Abschied vom Verbrennungsmotor. Ein Aktionsprogramm zum natürlichen…
Klimafreundlich bauen und sanieren
Beim Haus der Zukunft spielen die richtigen Baustoffe und auch die passende Haustechnik eine wichtige Rolle. Ziel ist…
Eine Frau blickt auf eine digitale Anzeige.

Ihre Daten bei Facebook und Instagram für KI: So widersprechen Sie

Facebook und Instagram informieren über Änderungen ihrer Richtlinien. Was Sie dort posten soll als Trainingsmaterial für Metas KI-Generatoren verwendet werden. Möchten Sie das nicht, können Sie widersprechen. Die Verbraucherzentrale NRW hat Meta deshalb abgemahnt.
Ein Gesundheitsgerät neben dem Wort Aufruf in einem Ausrufezeichen.

Healy: Keine wissenschaftliche Evidenz für Gesundheitsversprechen

Bei den Verbraucherzentralen haben sich in den letzten Monaten die Beschwerden über das Produkt "Healy" gehäuft, weil selbstständige Verkäufer:innen behaupten, das Produkt würde etwa bei Multipler Sklerose, Depressionen, ADHS oder Hauterkrankungen helfen. Jetzt gibt es ein Gerichtsurteil dazu.
Widerruf und Kontaktaufnahme sind nicht möglich

Neue Masche von 1N Telecom: DSL-Vertrag nach Teilnahme an Gewinnspiel

Mit einem gefälschten Online-Gewinnspiel von Aldi lockt das Unternehmen ZooLoo Verbraucher:innen in einen DSL-Vertrag mit der 1N Telecom. Wer teilnimmt, gelangt dann zu einer Auftragsbestätigung für einen Telefontarif des Düsseldorfer Unternehmens. Der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt.