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Workshop 3 - Ergebnisse des Marktchecks zu Ethno-Tarifen

Stand:

Ethnotarife sind für viele Verbraucherinnen und Verbraucher mit Migrationshintergrund intransparente Kostenfallen. Zu diesem Ergebnis kamen die Verbraucherzentralen Berlin, Hamburg und Bremen beim Marktcheck zu Ethno-Tarifen im Sommer 2014.

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Was hat sich seit der Veröffentlichung des Marktchecks getan? Die Verbraucherzentralen zogen mit dem dritten Workshop des Projekts "Migranten und Verbraucherschutz in den digitalen Märkten" eine Zwischenbilanz.

Mit vermeintlich besonders günstigen Bedingungen bei sogenannten Ethno-Tarifen locken Unternehmen Verbraucherinnen und Verbraucher mit türkischem und russischem Migrationshintergrund. Kostengünstiges und unbegrenztes Telefonieren mit Freunden und Verwandten über weite Entfernungen erscheint auf den ersten Blick attraktiv, jedoch erweisen sich solche Versprechungen oft als Verbraucherfallen. Um irreführende Angebote der Unternehmen aufzudecken, führten die Verbraucherzentralen Berlin, Hamburg und Bremen einen Marktcheck durch und mahnten anschließend Anbieter von Ethno-Tarifen ab, die mit falschen und intransparenten Angeboten für türkisch- und russischstämmige Kunden werben.

Die Verbraucherzentrale Berlin lud am 12. Februar 2015 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren von Migrantenorganisationen und Beratungszentren ein, um in einem Workshop die Ergebnisse des Marktchecks zu Ethno-Tarifen ausführlich darzustellen und auch um eine Zwischenbilanz zu den Abmahnungen und Reaktionen auf den Marktcheck zu ziehen.

Projektleiterin Dr. Çiçek Bacik informierte die Gäste im ersten Teil des Workshops über die Resultate des durchgeführten Marktchecks und die Forderungen, die in der Folge an die Anbieter gestellt wurden. Sie bemängelte unter anderem die schwer nachvollziehbaren Preisverzeichnisse und AGBs, die fehlende Mehrsprachigkeit auf den Webseiten sowie die Widerrufsbelehrungen, die nicht den gesetzlichen Vorgaben seit dem 13. Juni 2014 entsprachen. Zudem erwiesen sich die Kundenhotlines für die Verbraucherinnen und Verbraucher als sehr kostspielig und die Datenschutzhinweise wurden größtenteils mangelhaft dargestellt. Praktische Tipps zum Umgang mit Verbraucherfallen rundeten die Präsentation ab.

Ünal Zeran, Projektreferent der Verbraucherzentrale Hamburg, verwies im zweiten Teil des Workshops auf die Erfolge, die seit der Veröffentlichung des Marktchecks erzielt wurden. So haben die Anbieter auf die Abmahnungen der Verbraucherzentralen reagiert, indem sie ihre Webseiten verbraucherfreundlicher gestaltet haben.

Um Verbraucherinnen und Verbrauchern mit türkischem und russischem Migrationshintergrund einen besseren Zugang zu den Themen Telekommunikation, Internet, Datenschutz und Rundfunkbeiträge zu bieten, wurde Ende des Jahres 2014 das "Forum DIGITALES" online gestellt. Projektmitarbeiterin Ekaterina Quehl stellte das interaktive Forum vor, mit dem für Verbraucherinnen und Verbrauche eine weitere Möglichkeit geschaffen wird, um sie über ihre Rechte in den digitalen Märkten besser aufzuklären.

Im vierten Teil des Workshops diskutierten Carola Elbrecht, Projektleiterin "Surfer haben Rechte" vom Verbraucherzentrale Bundesverband, Irmgard Czarnecki, Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Bremen, Dörte Elß, Bereichsleiterin der Verbraucherzentrale Berlin, und Dr. Günter Hörmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Hamburg, über Verbraucherrechte in digitalen Märkten. Alle Vertreter der Verbraucherzentralen plädierten für eine stärkere Kontrolle der Anbieter von Ethno-Tarifen und appellierten an die Vertreter der Migrantenorganisationen, Migrantinnen und Migranten bei Problemen an die Beratungsstellen der Verbraucherzentralen zu verweisen.