Von Fake-BSR bis Ernährungsarmut
Jahrespressekonferenz der Verbraucherzentrale Berlin

- Angebote weiterhin stark nachgefragt
- Fake-Dienstleister in Berlin
- Verbraucherzentrale zieht bei Stiftung Warentest ein
Heute hat Vorstand Markus Kamrad den Tätigkeitsbericht 2025 präsentiert und gemeinsam mit Fachkolleg*innen über die aktuellen Themenschwerpunkte informiert.
Dabei kündigte er den Umzug der Verbraucherzentrale zur Stiftung Warentest an und somit die Eröffnung eines neuen Standortes am Lützowplatz Anfang 2027.
Fake-Dienstleister statt BSR
2025 zählte die Verbraucherzentrale 42.412 Auskünfte, Anfragen und Beratungen. „Ein wichtiges Thema sind nach wie vor Fake-Dienstleister, die auch vor der Hauptstadt nicht Halt machen. Berliner Verbraucherinnen und Verbraucher, die online nach Anbietern für die Sperrmüllentsorgung suchen, können leicht an unseriöse Vertreter dieser Zunft geraten. Sie täuschen gezielt und geben sich als Berliner Stadtreinigung aus. Am Abholtag werden dann überhöhte Preise verlangt – nicht selten mit aggressivem Druck“, berichtete Markus Kamrad. Auch vermeintlich in Berlin ansässige Fake-Shops sind weiterhin Thema, ebenso wie unseriöse Coaching-Angebote.
Steigende Energie- und Lebensmittelpreise
Unter den Preissteigerungen in den Bereichen Energie und Ernährung leiden Berliner Verbraucher*innen zunehmend. Dadurch wächst die Bedeutung der Energieschuldenberatung weiter sowie das Bedürfnis nach Tipps, um kostengünstig einzukaufen. Das Thema Ernährungsarmut gewinnt in der Hauptstadt zunehmend an Brisanz.
Schon seit einigen Jahren sind die Lebensmittelpreise ein Problem für Verbraucher*innen, das zeigt der gestiegene Anteil von Anfragen und Beschwerden zu Themen wie versteckter Preiserhöhung oder Preisauszeichnung. Deshalb sollten gesetzliche Regelungen wie eine Kennzeichnung von Mogelpackungen und eine Preisbeobachtungsstelle bundesweit umgesetzt werden und die Überwachungsbehörden eine richtige Auszeichnung sicherstellen. Gleichzeitig müssen niedrigschwellige Bildungsmaßnahmen für eine ausgewogene Ernährung mit kleinem Budget fortgeführt werden. Dies könnte auch Folgekosten im Gesundheitswesen durch Fehl- und Mangelernährung minimieren.
Die sozialen Folgen der Energiekrise sind weiterhin spürbar. Viele Haushalte kämpfen noch immer mit hohen Energiekosten, Nachzahlungen und finanziellen Belastungen. Das zeigt sich auch in Berlin: Die Zahl der Stromsperren ist in den vergangenen Jahren wieder deutlich gestiegen. Im Jahr 2025 wurde in Berlin fast 12.000 Haushalten der Strom gesperrt. Das sind mehr 22 % mehr als im Jahr zuvor. Gleichzeitig wurden allein vom Grundversorger über 75.000 Sperrandrohungen verschickt. Auch bei Gas wurden mehr als 32.000 Sperrandrohungen registriert.
Gut gepflegt in Berlin?
Die Pflegerechtsberatung der Verbraucherzentrale ist nach wie vor sehr gefragt, etwa beim Thema Entlastungsbeitrag. Dieser kann beispielsweise für Betreuungsangebote verwendet werden und soll Pflegebedürftigen den Alltag erleichtern. Sowohl Pflegedienste als auch in Berlin zertifizierte Anbieter können die entsprechenden Leistungen erbringen. Leider kommt es nach wie vor zu Abrechnungsbetrug oder sogar Urkundenfälschung.
Ein großes Problem sind die hohen Kosten bei den Eigenanteilen, besonders in den Pflege-Wohngemeinschaften. In Berlin gibt es mittlerweile knapp 800 solcher Einrichtungen und damit deutlich mehr als in allen anderen Bundesländern. Ein besonderer Preistreiber ist dabei eine nur in Berlin gewährte Vergütungspauschale für Pflege- und Betreuungsleistungen (nach dem Leistungskomplex 19 in den höheren Pflegegraden). Sie beträgt aktuell im Durchschnitt etwa 200 € am Tag, wobei Miete, Verpflegung und weitere Leistungen noch zusätzlich bezahlt werden müssen. Dieser pauschale Leistungskomplex sollte in der landesrechtlichen Vergütungsvereinbarung abgeschafft werden. Auch sollten bei den ambulanten Leistungskomplexen in gemeinschaftlichen Wohnformen wie in den Pflege-WGs – wie in anderen Bundesländern – günstigere gepoolte Leistungen vorgesehen werden. Dies entspricht auch der aktuellen Gesetzeslage.
Verbraucherzentrale zieht um
Vorstand Markus Kamrad kündigte den Umzug an den Lützowplatz und die Eröffnung des neuen Standortes im Haus der Stiftung Warentest für Anfang 2027 an. Damit verlässt die Verbraucherzentrale den bisherigen Standort in Tempelhof, behält aber den zweiten in der Lichtenberger Liese bei. Mit dem Umzug in eine zentralere Lage wird die Erreichbarkeit der Beratungsangebote vor Ort für Berliner Verbraucher*innen verbessert.
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