Steigende Lebensmittelpreise: Fakten, Ursachen, Tipps

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Seit Monaten steigen die Preise für Lebensmittel. Wir beleuchten die Fakten, Hintergründe und Ursachen, beantworten Fragen und geben Ihnen Tipps für den Einkauf.
Jemand mit Gemüse im Warenkorb und Taschenrechner

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nahrungsmittel sind zwischen August 2021 und August 2022 um 16,6 Prozent teurer geworden.
  • Etliche Faktoren spielen in den Preisanstieg hinein, darunter gestiegene Energiekosten sowie die schwierige internationale politische Lage und Arbeitskräftemangel.
  • Engpässe bei der Versorgungslage wird es aber nicht geben. Hamsterkäufe sind nicht nötig. Sie verschlechtern die Situation eher.
  • Die Verbraucherzentralen fordern von der Politik und vom Bundeskartellamt, bei den Preissteigerungen genauer hinzusehen.
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Wie sehr sind die Preise wirklich gestiegen?

Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes sind Nahrungsmittel teurer geworden und zwar in allen Lebensmittelgruppen. In den vergangenen 20 Jahren waren die Lebensmittelpreise weniger angestiegen als andere Lebenshaltungskosten. Lag die Teuerung zwischen 2000 und 2019 durchschnittlich noch knapp unter 1,5 Prozent, liegt der Preisanstieg von August 2021 zu August 2022 bei 16,6 Prozent.

Bei allen Nahrungsmittelgruppen erhöhten sich die Preise. Erheblich teurer wurden im August 2022:

  • Speisefette und Speiseöle: +44,5 Prozent,
  • Molkereiprodukte und Eier: +26,8 Prozent,
  • Fleisch und Fleischwaren: +18,6 Prozent) sowie
  • Brot und Getreideerzeugnisse: +17,1 Prozent.

Genaue Prognosen sind nicht einfach, aber die Lebensmittelpreise werden vermutlich erst mal hoch bleiben und sogar noch weiter steigen. Das bedeutet, dass Sie heute für dasselbe Geld weniger bekommen als vor einem Jahr. Eine Packung Butter kostet heute um die 3 Euro, ein halbes Kilogramm Bratwurst über 5 Euro, ein Laib Brot knapp 4 Euro.

Was verursacht die Preissteigerungen?

Viele Faktoren verändern die Situation in der Landwirtschaft und der Lebensmittelwirtschaft. Die Kosten für Energie, Düngemittel und Futtermittel sind stark gestiegen, Arbeitskräftemangel und Mindestlohn verteuern die Personalkosten. Bereits im Juli 2021 setzte der erste Preisschub bei Lebensmitteln ein, der sich bis heute Monat für Monat fortsetzt.

Wie stark die Energie- und Nahrungsmittelpreise die Gesamtteuerungsrate beeinflussen, zeigt die Inflationsrate ohne Berücksichtigung von Energie und Nahrungsmitteln: Sie liegt bei +3,5 Prozent und damit nicht einmal halb so hoch wie die Gesamtinflationsrate. Die lag im August 2022 bei 7,9 Prozent.

Die Teuerung bei Nahrungsmitteln seit April 2022 liegt höher als die allgemeine Inflationsrate. Im Juli 2022 lag sie doppelt so hoch.

Nicht alle Preissteigerungen sind transparent und basieren auf höheren Herstellungskosten. Zwar wird vor allem mit Energierohstoffen wie Erdöl und Gas an den Börsen spekuliert, aber auch mit Nahrungsmitteln wie etwa Weizen, Butter und Pflanzenölen.

Ein kritischer Blick der Politik und des Kartellamtes auf die Handelsunternehmen und einen Teil der Lebensmittelhersteller wäre nötig, um zu prüfen, ob einige die Gunst der Stunde nutzen, um die eigenen Erträge zu verbessern.

Die Verbraucherzentrale NRW hat die politisch Verantwortlichen sowie die Kartellbehörden aufgefordert, hier einmal genauer hinzusehen, und weitere Forderungen erhoben. Tatsächlich geht das Bundeskartellamt inzwischen Beschwerden über Lebensmittelpreise nach. Die Untersuchungen konzentrieren sich dabei auf den Lebensmitteleinzelhandel, nicht auf die Hersteller.

Werden Mehl und Brot knapp?

In Deutschland besteht aktuell kein Grund zur Sorge. Die Ukraine und Russland sind zwar wichtige Weizenproduzenten, aber Deutschland ist nach Frankreich der zweitgrößte Getreideproduzent in der Europäischen Union und importiert kein Brotgetreide.

Hamsterkäufe sind also nicht nur unnötig, sie verschärfen die Lage sogar. Dass manche Supermarktregale kurzfristig leer bleiben, hängt von einer stark gestiegenen Nachfrage - wie etwa bei Mehl - ab, die nicht schnell genug bedient werden kann. Wegen der hohen Preise beim Futtergetreide steigen aber unter anderem die Preise bei tierischen Lebensmitteln.

Die Preise von Mehl, Brot und Backwaren sind allerdings bereits gestiegen und werden vermutlich erst einmal hoch bleiben oder noch weiter steigen, weil sich die deutschen Getreidepreise am Weltmarkt orientieren. Länder, die sonst viel Weizen aus der Ukraine und Russland importieren, werden ihren Bedarf stärker auf dem Weltmarkt decken müssen.

China hortet derzeit rund die Hälfte der globalen Lagerbestände an Weizen. Und Indien, eines der weltweit größten Anbauländer von Weizen, hat im Mai 2022 den Export des Getreides gestoppt, um den eigenen Bedarf zu sichern. Das Land leidet unter massiven Hitzewellen. Dadurch wird weniger geerntet. All diese Faktoren führen zu Verwerfungen und höheren Preisen auf dem Weltmarkt.

Nachdem die russische Hafenblockade von Odessa und einigen anderen ukrainischen Schwarzmeerhäfen für Getreideexporte aufgehoben wurde, ist der Weizenpreis erst mal gesunken. Ob dies so bleibt, ist wegen der Hitzewelle in der EU im Sommer 2022 unklar. Wetterextreme werden wegen des Klimawandels immer häufiger.

Weltweit sinken die Nahrungsmittelpreise seit Ende Mai 2022. Sie sind allerdings immer noch höher als in den vergangenen Jahren. Zudem sind die Auswirkungen stark angestiegener Düngerpreise laut Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen noch gar nicht in den aktuellen Getreidepreisen berücksichtigt.

Gibt es Engpässe bei Speiseölen?

Bei Speiseölen ist Deutschland auf Importe aus dem Ausland angewiesen. Es gibt ein großes Angebot aus anderen EU-Staaten, Osteuropa, Kanada und den USA.

Allerdings gab es bereits vor dem russischen Angriff auf die Ukraine Probleme, die sich weltweit ausgewirkten: Ernteausfälle in Kanada und Südamerika wegen extremer Hitzewellen, die gestiegene Nachfrage nach Biodiesel als Kraftstoff oder höhere Preise für Energie und Düngemittel. Zudem beeinflussen die internationalen Märkte die Preisbildung in der EU und in Deutschland: Raps ist einer der weltweit am meisten gehandelten Rohstoffe.

Der Krieg gegen die Ukraine verschärft die angespannte Lage. Die Ukraine und Russland produzieren gemeinsam mehr als 3 Viertel der Sonnenblumen weltweit – die Ukraine allein rund die Hälfte. Wegen des Krieges gibt es kurzfristig Lieferengpässe bei Sonnenblumenöl.

In Deutschland können Verbraucher:innen allerdings problemlos auf andere Speiseöle zurückgreifen. Dazu zählen etwa raffiniertes Rapsöl und Olivenöl zum Braten, bei denen keine Engpässe zu erwarten sind.

Auch hier sind Hamsterkäufe also nicht notwendig. Sie erzeugen künstliche Engpässe, weil die Lieferketten und Ölmühlen nicht auf kurzfristig steigende Nachfragen reagieren können.

Wie wichtig ist Unterstützung für Geringverdiener?

Mit durchschnittlich 12 Prozent machen die Lebensmittelkosten bei Verbraucher:innen bisher nur einen verhältnismäßig geringen Anteil im Haushaltsbudget aus.

Für Menschen mit geringen Einkommen sind die Preissteigerungen aber zu einem Problem geworden. Der Hartz-IV-Satz für Lebensmittel liegt pro Tag bei etwa 5,20 Euro. Das reicht nicht für eine gesunde Ernährung.

Da die Lebensmittelpreise seit dem Sommer 2021 ansteigen und Handel und Ernährungsindustrie weitere Preissteigerungen angekündigt haben, sollte die Politik aus Sicht der Verbraucherzentralen dringend handeln. Immerhin 16 Prozent der Menschen in Deutschland gelten laut Paritätischem Wohlfahrtsverband als arm. Die Verbraucherzentralen fordern deshalb

  • eine deutliche Anhebung der Hartz-IV-Regelsätze, so dass auch bei hohen Lebensmittelpreisen eine gesunde Ernährung möglich ist,
  • Sonderzahlungen für Menschen mit niedrigem Einkommen, niedriger Rente und Bezieher:innen von Grundsicherung,
  • eine Beitragsreduzierung für die Gemeinschaftsverpflegung in Kitas, Schulen, Hochschulen oder für Geringverdiener in Unternehmen, öffentlichem Dienst und sozialen Einrichtungen,
  • eine Senkung der Mehrwertsteuer bei Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten,
  • eine Unterstützung der Einrichtungen, die Mahlzeiten für Obdachlose anbieten.

Welche Tipps gibt es für den Einkauf bei steigenden Lebensmittelpreisen?

Preisfallen bei Gemüse und Obst erkennen und umgehen

Vergleichen Sie immer die Kilopreise! Auch Herkunft und Jahreszeit spielen eine wichtige Rolle. Gemüse, das Saison hat und in der Region wächst, ist in der Regel günstiger, weil es nicht weit transportiert und aufwändig gekühlt werden muss.

Ein Einkauf auf dem Wochenmarkt kann zudem günstiger sein als im Supermarkt, vor allem kurz vor Ende des Markttages. Und wer saisonales Freilandgemüse kauft statt aus dem Gewächshaus, hilft auch der Umwelt. Orientierung, wann welches Gemüse und Obst Saison hat, bietet der Saisonkalender der Verbraucherzentralen.

Ausweg aus dem Butter-"Preis-Schock"

Die Butterpreise haben seit März 2022 angezogen. Zum Teil  kosten 250 Gramm 3 Euro. Für eine gesunde Ernährung ist Butter aber nicht vorrangig, denn sie enthält als tierisches Lebensmittel viele gesättigte Fettsäuren. Gesünder sind ungesättigte Fettsäuren.

Sie finden sie in Pflanzenölen wie Olivenöl, Leinöl oder Sojaöl und auch in bestimmten Margarine-Sorten. Vergleichen Sie die konkreten Nährwerte und Fettsäuren auf den Verpackungen und natürlich die Preise! Leckerer Butter-Ersatz fürs Brot sind auch Frischkäse, Aufstriche, Olivenöl oder Nuss-Öle.

Fleisch öfters pflanzlich ersetzen

Auch die Preise bei Rindfleisch und Hack sind gestiegen. Die Verbraucherzentralen raten, Fleisch, Wurst und Fisch durch pflanzliche Lebensmittel zu ersetzen.

Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen, Bohnen, Kichererbsen, Sojabohnen und Lupinen sind gute Alternativen. Sie sind wertvolle Quellen für Eiweiß, Eisen, B-Vitamine und Ballaststoffe und zudem günstig. Fleisch-Ersatzprodukte enthalten dagegen oft viele Zusatzstoffe, sind höher verarbeitet und zusätzlich teurer.

Reis, Couscous, Bulgur oder auch Nudeln liefern Kohlenhydrate und somit Energie. Als Vollkornvariante sind sie besonders reich an Mineralstoffen, Vitaminen, Ballaststoffen und ungesättigten Fettsäuren.

Mit Einkaufsliste einkaufen gehen

Es lohnt sich, einen Essensplan für die Woche oder zumindest die nächsten Tage aufzustellen und damit geplant einzukaufen. Ein solcher Einkaufszettel reduziert die oft teuren Spontankäufe. Vorab sollte man die eigenen Vorräte und die Reste im Kühlschrank checken und von hinten nach vorne räumen. Es kann auch helfen, vorab ein Maximalbudget für den Einkauf festzulegen.

Selber kochen

Mahlzeiten selbst zuzubereiten, ist meist günstiger als Fertiggerichte, Lieferdienste oder To-go-Käufe. So hat man auch selbst in der Hand, was auf dem Teller ist. Auch kleine Snacks unterwegs gehen ins Geld. Wer sich eine Brotzeit schmiert und den Kaffee im eigenen Thermobecher mitnimmt, kann damit Geld und Verpackungsmüll sparen. Wenn es aber doch mal mal ein Fertiggericht sein soll, lohnt es sich auch hier, die Grundpreise pro Kilogramm zu vergleichen. 

Weitere Spartipps von der Lagerung bis zum Selbstanbau

Supermärkte und Discounter bieten Lebensmittel, die nur noch kurz haltbar sind, meist reduziert an. Vermeiden Sie außerdem übermäßige Lebensmittelabfälle! Speisereste können Sie mit cleveren Rezepten weiterverwenden. Zudem sollten Sie Lebensmittel zu Hause richtig lagern, damit sie sich möglichst lange halten.

Auch bei Getränken gibt es Sparpotenzial: Wasser, vor allem Leitungswasser, ist deutlich billiger als Softdrinks. Leitungswasser ist zudem umweltschonend und kann geschmacklich mit einem Spritzer Zitrone oder ähnlichem aufgepeppt werden. Und wer einen Garten oder Balkon und einen grünen Daumen hat, kann Kräuter, Gemüse und Obst auch selbst anbauen.