Mama-Zuschlag: Schwangerschaft als Verkaufsargument
Marktcheck der Verbraucherzentrale untersucht Produkte für Schwangere und Stillende

- Spezielle Lebensmittel für Schwangere und Stillende sind unnötig
- Produktpalette umfasst überwiegend Snacks und zuckerreiche Getränke
- Spezialprodukte sind deutlich teurer als Vergleichsprodukte
Schwangere und Stillende sind eine beliebte Zielgruppe des Handels. Um zu untersuchen, was spezielle „Mama-Produkte“ versprechen und halten, hat die Verbraucherzentrale in Drogeriemärkten eingekauft. Das Resultat liegt schwer im Magen: viel Zucker, hohe Kosten und wenig Mehrwert.
Entgegen der landläufigen Meinung müssen Schwangere nicht für zwei essen, der Handel macht aber teilweise doppelten Gewinn.
Alles auf Zucker
Produkte, die speziell für werdende und stillende Mütter beworben werden, sind überwiegend Snacks und Säfte. Eine der Hauptzutaten ist leider vielfach Zucker. Bei den Säften finden sich zwischen 7 und 11 Würfelzucker pro Portion. Außerdem sind sie oft mit zahlreichen Vitaminen und Mineralstoffen angereichert, die laut Fachgesellschaften in der Schwangerschaft nicht zwangsläufig supplementiert werden müssen. Auch die untersuchten Energy-Riegel enthalten viel Zucker, bis zu 6 Würfel pro Portion.
Vorsicht Fenchel
Fünf Tees der Stichprobe enthalten Fenchel. „Die Fachgesellschaften empfehlen Fenchel nicht mehr, da die darin enthaltenen Stoffe Estragol und Methyleugenol potentiell erbgutschädigend sein können. Deshalb sollten Schwangere und Stillende alternative Kräutertees bevorzugen“, sagt Judith Schryro, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Berlin.
Mehr zahlen, wenig Mehrwert
Das Mama-Marketing zahlt sich für die Hersteller aus. Die Stichprobe der Verbraucherzentrale zeigt, dass für die Spezialprodukte deutlich höhere Preise erzielt werden. Der Himbeerblättertee von Mabyen ist beispielsweise 235 % teurer als das herkömmliche Vergleichsprodukt. „Teure Extraprodukte zu kaufen, zahlt sich nicht aus. Besser ist es, wenn Schwangere und Stillende sich ausgewogen ernähren und die Einnahme von Supplementen vorher mit dem Arzt oder der Ärztin absprechen“, so Schryro.
Hintergrund
Für den Marktcheck wurden 28 Produkte online und vor Ort bei den Drogeriemarktketten Budni, dm, Müller und Rossmann gekauft. Die verwendeten Zutaten wurden überprüft und mit den Empfehlungen der Fachgesellschaften verglichen. Ein Preisvergleich zwischen speziell beworbenen und herkömmlichen Produkten wurde ebenfalls gemacht und in die Auswertung einbezogen.
Weitere Informationen
Mama-Marketing: Spezialprodukte für Schwangere im Check | Verbraucherzentrale Berlin
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