Mama-Marketing: Spezialprodukte für Schwangere im Check
Der Marktcheck zu speziell beworbenen Produkten für Schwangere und Stillende der Verbraucherzentrale gibt einen Überblick über das quantitative und qualitative Angebot im Drogeriehandel.

- Schwangere und Stillende brauchen keine speziellen Lebensmittel.
- Das Angebot umfasst vor allem überteuerte und zuckerreiche Getränke und Snacks.
- Spezielle Mama-Säfte sind mit zahlreichen Vitaminen und Mineralstoffen angereichert.
- Tee mit Fenchel sollten Schwangere und Stillende meiden, da Fenchel zu Erbgutveränderungen führen kann.
Viele Schwangere möchten sich und ihr Kind bestmöglich versorgen. Deshalb achten viele ganz besonders auf eine gesunde Ernährung. Dieses Bedürfnis macht sich die Lebensmittelindustrie zunutze und vermarktet spezielle Produkte für Schwangere und Stillende. Spezielle „Mama-Produkte“ versprechen eine optimale Versorgung mit wichtigen Nährstoffen. Doch braucht es diese Produkte wirklich?
Was empfehlen die Fachgesellschaften?
Laut dem Bundeszentrum für Ernährung und dem Netzwerk Gesund ins Leben, gelten für Schwangere und Stillende grundsätzlich die gleichen Ernährungsempfehlungen wie für alle Erwachsenen: Eine pflanzenbetonte und ausgewogene Ernährung bildet die Grundlage für eine gute Nährstoffversorgung (Link zur Ernährungspyramide). Zur Deckung des Bedarfs an Vitaminen und Mineralstoffen sollten Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte wie Obst, Gemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide bevorzugt werden. Spezielle Produkte sind nicht notwendig.
Jod sollte während der Schwangerschaft und Stillzeit ergänzt werden, Folsäure nur vor und in der Schwangerschaft. Weitere Nährstoffe, beispielsweise Eisen, sollten nur bei nachgewiesenem Bedarf supplementiert werden, da eine überhöhte Nährstoffversorgung auch gesundheitliche Risiken bergen kann. Eine Eisenüberdosierung zeigt sich zunächst mit unspezifischen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. Zudem ist ein erhöhter Eisenstatus der Mutter mit Frühgeburt, einem geringen Geburtsgewicht und Schwangerschaftsdiabetes assoziiert. Ein erhöhter Energiebedarf besteht vor allem in der Stillzeit; während der Schwangerschaft steigt der Kalorienbedarf – wenn überhaupt – erst in der Mitte der Schwangerschaft und nur in geringem Umfang. Erst im zweiten Trimester besteht bei normalgewichtigen Schwangeren ein zusätzlicher Energiebedarf von 250 kcal. Das entspricht einer Scheibe Vollkornbrot mit Käse. Dies gilt jedoch nur, wenn die Schwangeren normalgewichtig und weiterhin genauso körperlich aktiv sind wie vor der Schwangerschaft.
Produkte für Schwangere und Stillende im Überblick
Bei Lebensmitteln, die sich von ihrer Aufmachung an schwangere und stillende Frauen richten, handelt es sich hauptsächlich um Getränke und Snacks. Im stationären und Onlinehandel von Drogeriemärkten wurden elf Tees, acht Säfte/Smoothies, zwei Getränkepulver und sieben Snackprodukte gefunden. Der überwiegende Teil davon sind Produkte in Bio-Qualität.
Tee
Fast alle Tees sind Kräuterteemischungen bzw. Kräuter-Früchteteemischungen. Bei einem Tee handelt es sich um einen Himbeerblättertee. Die Deklaration auf den Tees ist sehr blumig formuliert, so sollen die Tees beispielweise für Momente der Entspannung, Geborgenheit und Achtsamkeit sorgen. Auf vier Tees steht der Hinweis, dass der Tee nur in Absprache mit einer Hebamme oder Ärzt*in getrunken werden sollte. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft wird Estragol, ein natürlicher Aromastoff, der unter anderem in Fencheltee vorkommt, als erbgutverändernde Substanz eingestuft. Da eine unbedenkliche Verzehrmenge nicht festgelegt werden kann, sollten Schwangere und Stillende keinen Fencheltee trinken. Entgegen dieser Empfehlung enthielten fünf der Tees im Marktcheck als Zutat Fenchel.
Säfte und Smoothies
Bei diesen Produkten wurden zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe zugesetzt. Mehrere Säfte enthalten laut Zutatenliste rund zehn Vitamin- und Mineralstoffverbindungen. Mit einem Glas Saft wird bereits ein großer Teil des täglichen Nährstoffbedarfs gedeckt. Was auf den ersten Eindruck positiv klingt, kann aber auch negative Auswirkungen haben, da es zu einer Überversorgung kommen kann, vor allem wenn gleichzeitig Nahrungsergänzungsmittel eingenommen oder mehrere angereicherte Lebensmittel kombiniert werden. Nur auf der Hälfte der Produkte lässt sich dazu ein Warnhinweis im Kleingedruckten finden. Die am häufigsten zugesetzten Vitamine sind Vitamin C, Folsäure und andere B-Vitamine. Jod, Zink und Eisen sind die am häufigsten zugesetzte Spurenelemente.
Getränkepulver
Die zwei Getränkepulver sollen Mütter in der Schwangerschaft und Stillzeit unterstützen. Mit einem Pulver wird ein isotonisches Getränk hergestellt, das den Elektrolythaushalt unterstützt. Ein weiteres Pulver dient zur Herstellung eines ballaststoff- und proteinreichen Shakes. Vitamine und Mineralstoffe wurden diesen Produkten nicht zugesetzt.
Snackprodukte
Kekse, Cracker, Riegel und Energy-Balls für (werdende) Mütter werden als gesunde Lösung für zwischendurch beworben, um einen in manchen Fällen erhöhten Kalorienbedarf zu decken. Datteln und anderes Trockenobst sowie Nüsse, Nussmus und Haferflocken sorgen für reichlich Kohlenhydrate und Fett und somit für viele Kalorien. Bei sechs Produkten wird der Ballaststoffgehalt beworben, bei vier Produkten der Eisengehalt.
Zucker
Besonders die Mama-Säfte sind reich an Zucker. In einer Portion stecken 7–11 Würfelzucker. Die Snackprodukte wie Kekse, Cracker, Riegel und Energy Balls enthalten bis zu sechs Würfelzucker pro Portion. Das entspricht 18 g Zucker. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt nicht mehr als 10 % des täglichen Energiebedarfs über Zucker zu decken. Bei einem Tagesbedarf von 2000 kcal entspricht dies 16 Würfelzucker.
Zuckerreiche Getränke und Snacks sollten im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung nicht zu häufig auf dem Speiseplan stehen. Aktuelle Zahlen zeigen, dass 26 % der Frauen mit Übergewicht und weitere 19 % mit Adipositas in die Schwangerschaft starten. Zudem steigt seit Jahren die Prävalenz von Schwangerschaftsdiabetes, wodurch das Risiko für Geburtskomplikationen für Mutter und Kind erhöht wird.
Preiszuschlag
Viele Produkte sind deutlich teurer als Vergleichsprodukte ohne spezielles Marketing. Diese enthalten zwar in der Regel keine zugesetzten Nährstoffe, doch laut Fachgesellschaften ist es für Schwangere und Stillende auch nicht zwingend notwendig, diese zu supplementieren.
Vor allem in der Kategorie Getränke ist der Preiszuschlag für speziell beworbene Produkte besonders hoch. Bei einem Himbeerblättertee belief sich der Preiszuschlag auf 235 %. Bei einem Kräutertee verdoppelte sich der Preis des Mama-Tees im Vergleich zum gewöhnlichen Tee. Ein spezielles Elektrolytpulver gibt es für einen Preiszuschlag von 273 %. Aber selbst für Mama Smoothies und spezielle Energy Balls werden rund 50 % Preisaufschlag fällig.
Für diesen Marktcheck wurden vom 01.07.–07.08.2026 Produkte online und vor Ort in den Drogeriemarktketten Rossmann, dm, Müller und Budni erhoben. Die Stichprobe zeigt das Angebot zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
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